Reformprozess bei Wiener Ballettakademie mit neuer Spitze

Die wegen pädagogischer Missstände in die Kritik geratene Ballettakademie an der Wiener Staatsoper soll ihren eingeleiteten Reformprozess mit neuer Spitze fortführen. Die 49-jährige Griechin Christiana Stefanou werde von 1. August an die Ausbildungsstätte an der renommierten Staatsoper leiten, teilte der designierte Staatsopern-Direktor Bogdan Roscic am Montag in Wien mit.

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ARCHIV - Die Wiener Staatsoper, aufgenommen am Abend. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

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Keystone/ZB/Jens Kalaene
(sda/dpa)

Stefanou tanzte im Bayerischen Staatsballett in München und war nach ihrer aktiven Karriere Ballettmeisterin und -direktorin der Compagnie der griechischen Nationaloper.

Als Gast-Ballettmeisterin und Tanzpädagogin habe sie mit vielen Compagnien zusammengearbeitet, hiess es. «Das Wohl der Kinder, die Tänzergesundheit und die bestmögliche Vorbereitung auf die Herausforderungen des professionellen Tänzerberufs auf internationalem Top-Niveau standen und stehen im Mittelpunkt unserer Überlegungen», erklärte der designierte Direktor des Wiener Staatsballetts, Martin Schläpfer.

Eine Sonderkommission hatte 2019 gerügt, dass der Kinderschutz an der Akademie mit ihren 130 meist ausländischen Schülern im Alter von 10 bis 18 Jahren grob missachtet worden sei. Die Kinder hätten unter anderem keine gesundheitlich adäquate Betreuung gehabt. Die Staatsoper ihrerseits betonte 2019, dass bereits zahlreiche Schritte seit Bekanntwerden der Vorwürfe eingeleitet worden seien.

Zum neuen Konzept gehöre, dass die Ballettakademie zu einer international anerkannten und weltweit führenden Tanzausbildungsstätte werden solle, die in ihrer Methodik ins 21. Jahrhundert eingebunden sei, hiess es.

Neben Tanzunterricht werde ergänzend auch Krafttraining, Gesundheit oder Tanzgeschichte unterrichtet. Es solle jährliche Gesundheitschecks geben. Ausserdem würden medizinische und psychologische Betreuungsangebote ausgebaut. Eine unabhängige und weisungsfreie Kinderschutzbeauftragte solle auf kindgerechte Pädagogik und Betreuung achten.