In Bregenz spielt der Teufel Gott: Uraufführung von Michael Köhlmeiers «Lamm Gottes»

Das neue Stück des Vorarlberger Schriftstellers Michael Köhlmeier, hat im Kosmos-Theater Bregenz Premiere gefeiert. «Lamm Gotte»s ist ein Mysterienspiel über Gott, den Teufel, Tod und Liebe.

Markus Wigert
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Der Tod wartet schon: Szenenbild aus «Lamm Gottes» am Kosmos-Theater. (Bild: PD)

Der Tod wartet schon: Szenenbild aus «Lamm Gottes» am Kosmos-Theater. (Bild: PD)

Die Hochzeitsfeier von Martha und Albert ist vorüber. Die Weingläser stehen noch auf dem Tisch. Als letzter ungebetener Gast bleibt der Tod zurück: «Ich bin gekommen, deinen Mann zu holen.» Der Satz schlägt ein wie eine Bombe. Das pralle Leben wird jäh bedroht. Martha verzweifelt. Sie versucht dem Tod eine Verlängerung der Frist abzuringen. Was  nun beginnt ist eine zweite Ebene des Premierenstücks. Jetzt wird philosophiert, polemisiert und hinterfragt.

Dabei steht die Frage der Schuld im Zentrum und die Handlungsebene verschiebt sich zusehends zur Figur des Teufels, einer Art Spielleiter. Einem Marionettenspieler gleich lässt ihn Köhlmeier zum Epizentrum des Geschehens aufsteigen.

Der Teufel zieht die Fäden

«Wenn ich euer Gott wäre, würde ich euch in die Hölle führen und euch noch viel kleiner machen», spottet der Teufel in Richtung Bühne und Publikum. In einer Rückblende rollt er das Leben von Martha und Albert auf. Ein Seitensprung Marthas, die auf einem Kongress den unwiderstehlichen David kennenlernt, entpuppt sich als ihre Hauptschuld. «Es war nur der Sex», plädiert sie verzweifelt auf Strafmilderung.

Ein Kaleidoskop von menschlichen Schwächen und Boshaftigkeiten verkündet der Teufel genüsslich vor den Augen des Publikums, aus dem es kein Entrinnen gibt. Wie in einem riesigen Spinnennetz von karmischen Kausalitäten verstrickt sich der Mensch immer tiefer in eine Art vorbestimmte Schuldhaftigkeit. Die christliche Erbsünde erscheint wie eine Blaupause am Horizont, welche erst durch das «Lamm Gottes» hinweggenommen werden konnte. Unter dem Strich aber bietet das Mysterienspiel des prominenten Vorarlberger Schriftstellers keine Entlastung und keine Strafmilderung an.

In seinen Begierden gefangen

Der Mensch bleibt unerlöst, in seinen Begierden gefangen und noch schlimmer, es gibt keine Hoffnung auf Besserung. Ein dunkles Stück ohne Erwärmung der Seele, ohne Aussicht auf Heilung. Dass es auch mit Belanglosigkeiten befrachtet ist, wie dem ellenlangen Dialog von zwei über Leben und Tod philosophierenden Katzen, hinterlässt einen eher schalen Nachgeschmack. In der Regie von Augustin Jagg und der Mitarbeit des Protagonisten Hubert Dragaschnig müssen die schauspielerischen Leistungen von Stella Roberts als Martha und Haymon Maria Buttinger als Tod besonders gewürdigt werden.

Spielplan und Tickets hier.