Zahl der Toten durch Coronavirus in China auf 350 gestiegen

In China ist die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus nach Behördenangaben vom Sonntag auf rund 14'500 gestiegen. Mehr als 300 Menschen starben bereits.

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In der vom Coronavirus stark betroffenen chinesischen Stadt Wuhan sterben immer mehr Menschen an der Krankheit.

In der vom Coronavirus stark betroffenen chinesischen Stadt Wuhan sterben immer mehr Menschen an der Krankheit.

KEYSTONE/AP/MAS
(sda/afp/dpa/reu)

In der chinesischen Provinz Hubei sind dem staatlichen Fernsehen zufolge am Sonntag 56 weitere Todesfälle durch das Coronavirus registriert worden. Die Gesamtzahl betrage damit 350 in der Region um die Millionenstadt Wuhan, die von dem Ausbruch am stärksten betroffen ist. Es seien zudem 2103 neue Erkrankungen hingekommen, hiess es. Zuvor waren weltweit 14'380 Fälle gemeldet worden.

Von China hat sich das Virus in mindestens 24 weitere Länder ausgebreitet. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO starb in der philippinischen Hauptstadt Manila erstmals ein Infizierter ausserhalb Chinas.

Lebensnotwendige Einkäufe

Es handle sich um einen Chinesen aus der Millionenstadt Wuhan, dem Ausgangsort der Infektion. Seine 38-jährige Partnerin, die mit ihm eineinhalb Wochen zuvor eingereist war, wurde ebenfalls positiv getestet.

In China wurde erstmals eine Stadt ausserhalb der Provinz Hubei de facto unter Quarantäne gestellt. In der Neun-Millionen-Einwohner-Metropole Wenzhou an der Ostküste dürfe nur noch ein Mensch pro Haushalt alle zwei Tage auf die Strasse, um das zum Leben Notwendige einzukaufen, teilten die örtlichen Behörden mit. Sie setzten den öffentlichen Verkehr aus und schlossen 46 Autobahn-Mautstellen.

In den vergangenen Wochen waren bereits einige Städte in Hubei, darunter die Metropole Wuhan, mit zusammen mehr als 50 Millionen Einwohnern unter Quarantäne gestellt worden.

Aufruf zur Verschiebung von Hochzeiten

Die chinesische Regierung rief am Wochenende ausserdem dazu auf, Hochzeiten zu verschieben und Trauerfeiern in kleinem Rahmen abzuhalten, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Der Reiseverkehr in China nahm allerdings wieder zu, weil am Montag die wegen des Virus verlängerten Neujahrsferien enden.

Unterdessen verkündeten Staatsmedien, am Montag solle ein Spital in Wuhan offiziell eröffnen, das wegen der vielen Virus-Patienten im Schnellverfahren erbaut worden war. Rund 1400 erfahrene Militärärzte sollen in der 1000-Betten-Klinik zum Einsatz kommen.

Schweizer Rückkehrer unter Quarantäne

Derweil wurde aus Spanien der erste Fall einer Infektion mit 2019-nCoV gemeldet - bei einem deutschen Touristen.

Immer mehr Länder flogen unterdessen ihre Bürger aus dem Seuchengebiet in China aus, darunter neu Russland. Grossbritannien zog nach Angaben des Aussenministeriums Personal aus diplomatischen Einrichtungen in China ab. Von dem Schritt sind demnach Diplomaten sowie deren Familien betroffen. Zuvor hatten die USA einem Teil ihrer Botschaftsmitarbeiter die Ausreise freigestellt.

Ein Flugzeug mit fünf Schweizern aus dem Coronavirus-Gebiet in China landete am Sonntag auf einer Luftwaffenbasis in Frankreich in der Nähe von Marseille. Rund 20 der insgesamt 250 Passagiere zeigten Krankheitssymptome, wie die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn am Sonntagabend sagte. Zuvor hatte es geheissen, die Rückkehrer hätten keine Symptome.

«Rund zwanzig Personen mit Symptomen sind unter Beobachtung von Militärärzten für Tests auf dem Flughafen von Istres-Le Tubé geblieben», sagte Buzyn an einer Medienkonferenz in Paris. Es handle sich um Franzosen und um Staatsbürger aus Ländern ausserhalb der EU. Ob Schweizer darunter sind, war zunächst nicht bekannt.

Je nach Resultat der Tests würden die Rückkehrer hospitalisiert oder in zwei Zentren bei Aix-en-Provence für zwei Wochen in Quarantäne bleiben. Buzyn erklärte am Sonntagabend weiter, dass die Testergebnisse am Montag veröffentlicht würden.

Einreisesperren

Neuseeland und Australien reagierten mit einer vorläufigen Einreisesperre für Flugpassagiere aus China auf die Verbreitung des Coronavirus. Wie die neuseeländische Regierung am Sonntag mitteilte, soll das Einreiseverbot am Montag in Kraft treten, alle 48 Stunden überprüft werden und bis zu zwei Wochen gelten.

Es betreffe sowohl Passagiere, die ihre Flugreise in China beginnen, als auch jene, die dort zwecks Weiterreise nach Neuseeland umsteigen. Ausgenommen seien neuseeländische Staatsangehörige und Menschen mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung sowie deren Angehörige. Eine quasi identische Einreisesperre hatte am Samstag bereits Australien erlassen.

Auch die USA lassen ausländische Reisende aus China wegen des Ansteckungsrisikos nicht mehr ins Land, mit Ausnahme von Angehörigen von US-Staatsbürgern. Der von Präsident Donald Trump erlassene Bann gilt ab Sonntag (23.00 Uhr MEZ). Er bewertet die amerikanischen Massnahmen gegen die Virusepidemie als erfolgreich. «Wir werden sehen, was passiert. Aber ja, wir haben es ausgeschaltet» (orig. «we did shut it down»), sagt er dem Sender Fox am Sonntagabend (Ortszeit).