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Vier Tote und mehrere Vermisste nach Hauseinstürzen in Marseille

Beim Einsturz mehrerer Gebäude im Zentrum der südfranzösischen Hafenstadt Marseille sind mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Rettungskräfte bargen die Leichen von zwei Frauen und zwei Männern am Dienstag aus den Trümmern.
Die Rettungskräfte haben in den Trümmern der eingestürzten Häuser in Marseille drei Tote entdeckt. (Bild: KEYSTONE/AP/CLAUDE PARIS)

Die Rettungskräfte haben in den Trümmern der eingestürzten Häuser in Marseille drei Tote entdeckt. (Bild: KEYSTONE/AP/CLAUDE PARIS)

(sda/afp)

Da noch Bewohner vermisst wurden, befürchtete die französische Regierung sogar «fünf bis acht» Todesopfer, wie Innenminister Christophe Castaner bei einem Besuch vor Ort sagte. In Marseille wurde Empörung über die Behörden laut, die vom schlechten Zustand der Gebäude wussten.

An der Unglücksstelle in der Nähe des Alten Hafens von Marseille waren 80 Feuerwehrleute und 120 Polizisten mit Suchhunden im Einsatz. Innenminister Castaner sagte bei seinem Besuch, er sei «wenig optimistisch», dass noch Überlebende gefunden würden, da es kaum Chancen auf Hohlräume in den Trümmern gebe.

Dies liegt auch am unglücklichen Verlauf der Bergungsarbeiten: Zunächst waren am Montag zwei Gebäude wie Kartenhäuser eingestürzt, die als marode galten - darunter ein bewohntes Haus. Als die Feuerwehr dann einen Bagger einsetzte, stürzte ein drittes Gebäude teilweise ein, das seit Jahren leer stand. Die Trümmer dieses Hauses drückten nach Castaners Worten die Überreste der ersten beiden eingestürzten Häuser zusammen.

«Die Häuser der Armen»

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sicherte den Betroffenen die «Solidarität der gesamten Nation» zu. Zugleich wurde scharfe Kritik an den Behörden laut, da viele Gebäude in Marseille bekanntermassen in schlechtem Zustand sind. Der prominente Linkspolitiker und frühere Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon rügte, es stürzten «die Häuser der Armen» ein - «und das ist kein Zufall».

Anwohner der betroffenen Aubagne-Strasse - nur wenige hundert Meter von der Touristenmeile Canebière entfernt - berichten von massiven Problemen mit der Bausubstanz seit 2017. Eine überlebende Bewohnerin des eingestürztes Hauses mit der Nummer 65 sagte der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf die tote Frau: «Das hätte ich sein können.»

Die 25-jährige Philosophiestudentin Sophie Dorbeaux betonte, das Gebäude habe immer wieder Risse gehabt, 2017 sei die Eingangshalle eingestürzt. Nach Reparaturen habe die Hausverwaltung verkündet, das Problem sei behoben.

Seit einigen Tagen seien die Türen mehrerer Wohnungen aber extrem schwergängig gewesen. «Ich hatte Angst, Gefangene in meiner eigenen Wohnung zu werden», sagte die junge Frau mit zitternder Stimme. Sie habe das Haus deshalb bereits am Sonntag verlassen. Dorbeaux hat nach eigenen Angaben Anzeige bei der Polizei erstattet.

Stadt: «Unwetter sind schuld»

Die Stadtverwaltung sieht das Unglück dagegen im Zusammenhang mit Unwettern: «Dieser dramatische Unfall könnte durch die schweren Regenfälle verursacht sein, die sich in den vergangenen Tagen über Marseille ergossen haben», liess der 79-jährige Bürgermeister Jean-Claude Gaudin erklären.

Die Verwaltung liess rund hundert Menschen in Sicherheit bringen, die in den angrenzenden Gebäude wohnten. Seit 2011 gibt es im Zentrum von Marseille umfangreiche Sanierungsarbeiten, die aber immer wieder ins Stocken geraten sind. Nach einem Bericht an die Regierung von 2015 hausen in der Hafenstadt rund 100'000 Einwohner in Gebäuden, die ihre Gesundheit oder Sicherheit gefährden.

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