Viel Kritik an Abe wegen Corona-Posts in Japan

Eine Botschaft von Japans Regierungschef Shinzo Abe, in der er wegen der Corona-Pandemie zum Daheimbleiben aufruft, kommt bei vielen seiner Landsleute gar nicht gut an.

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Setzte sich mit einem Heimvideo in die Nesseln: Japans Premierminister Shinzo Abe.

Setzte sich mit einem Heimvideo in die Nesseln: Japans Premierminister Shinzo Abe.

KEYSTONE/AP/Tomohiro Ohsumi
(sda/dpa)

Das auf Facebook gepostete einminütige Video zeigt den Premier, wie er auf einem Sofa sitzt, einen Hund tätschelt, einen Schluck aus einer Tasse nimmt und ein Buch liest. Daneben steht ein anderes Video, auf dem der populäre Musiker Gen Hoshino singend in die Gitarre greift. Viele Facebook-Nutzer warfen dem Premier vor, sich um die Existenznöte der Bürger zu wenig zu scheren.

«Du siehst deine Freunde nicht. Du gehst nicht zu Partys. Aber dies alles hilft, viele Leben zu retten», schrieb Abe auf Twitter. Er hatte am vergangenen Dienstag über sieben Präfekturen, einschliesslich Tokio und Osaka, den Notstand verhängt und die Einwohner aufgefordert, zuhause zu bleiben. Kritiker befanden, die Regierung unterstütze kleine und mittelständische Unternehmen nicht genügend.

Der Gewerkschaftsfunktionär Mitsuteru Suda reagierte am Montag verärgert auf Abes entspannten Sofa-Auftritt. «Unsere Gewerkschaft wurde überschwemmt mit Anrufen von Arbeitern, die gefeuert wurden und solchen, deren Betrieb die Arbeit einstellen mussten, und die keinerlei Hilfe bekamen», twitterte er. Der Musiker Hoshino wiederum sagte auf Instagram, dass sein Videoclip ohne seine Zustimmung verwendet worden sei.