Verletzte bei Messerangriff während Chanukka-Feier in New York

Bei einem Messerangriff während einer Feier zum jüdischen Lichterfest Chanukka sind in Monsey im US-Bundesstaat New York mindestens fünf Menschen verletzt worden. Der mutmassliche Täter plädiert auf nicht schuldig.

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Ein Talmud - eines der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums. Er zeigt auf, wie Regeln im Alltag von den Rabbinern verstanden und ausgelegt wurden.
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Polizisten an der Arbeit nach dem Angriff auf Juden im Haus eines Rabbiners.

Ein Talmud - eines der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums. Er zeigt auf, wie Regeln im Alltag von den Rabbinern verstanden und ausgelegt wurden.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS
(sda/dpa/afp)

Die versammelten Gläubigen im Haus des Rabbis Chaim Rottenberg wollten gerade die Chanukka-Kerzen anzünden, als ihre Feier zum jüdischen Lichterfest von einem Angreifer blutig und brutal unterbrochen wurde.

«Keine Zeit zu reagieren»

«Wir haben gesehen, wie er ein Messer aus einer Verpackung genommen hat - es war so gross wie ein Besenstiel», sagte Aron Kohn, einer der Teilnehmer der Feier, der «New York Times». «Er hat sofort angefangen, Menschen anzugreifen, sobald er zur Tür hereingekommen war. Wir hatten überhaupt keine Zeit zu reagieren. Ich habe um mein Leben gebetet.»

Der Angriff geschah in der Nacht zum Sonntag im Haus des Rabbis in der von orthodoxen Juden geprägten Ortschaft Monsey, etwa eine Autostunde nördlich der Metropole New York. Dort lebt eine grosse jüdische Gemeinde.

Der Angreifer verletzte in kürzester Zeit mindestens fünf Menschen und flüchtete dann mit einem Auto. Rund zwei Stunden nach der Tat wurde ein 37-Jähriger Verdächtiger festgenommen.

Er muss sich in fünf Anklagepunkten wegen versuchten Mordes und Einbruchs verantworten. In einer Voranhörung vor Gericht plädierte er am Sonntag auf nicht schuldig. Er soll am Freitag (3. Januar) erneut vor Gericht erscheinen. Seine Kaution wurde auf fünf Millionen Dollar festgesetzt.

«Innerstaatlicher Terrorismus»

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo sprach von einer «abscheulichen und feigen Tat» und ordnete Ermittlungen an. Am Sonntag besuchte er den Tatort und plädierte dafür, den Vorfall als «innerstaatlichen Terrorismus» zu werten. Die Justizministerin des Bundesstaates New York, Letitia James, zeigte sich «zutiefst verstört» von dem Angriff und sicherte der jüdischen Gemeinschaft ihre Solidarität zu.

In der Millionenmetropole New York waren erst kürzlich die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden, nachdem es dort rund ein halbes Dutzend antisemitisch motivierter Angriffe während der Chanukka-Feierlichkeiten gegeben hatte. Mit dem mehrtägigen Lichterfest gedenken Juden jedes Jahr der Neuweihe des Tempels in Jerusalem im Jahre 164/165 vor der christlichen Zeitrechnung.

Die unversehrt gebliebenen Gläubigen rund um Rabbi Rottenberg setzten ihre Chanukka-Feier nach dem Angriff in der benachbarten Synagoge fort, wie ein Video der lokalen jüdischen Gemeinde zeigt.

Weltweit verurteilt

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu verurteilte die Attacke ebenfalls. «Wir werden auf jede Art mit den örtlichen Behörden zusammenarbeiten, um dabei zu helfen, diesem Phänomen ein Ende zu setzen.» Der israelische Präsident Reuven Rivlin sprach von einer «schrecklichen Attacke».

Ebenso «schockiert» zeigte sich Parlamentspräsident Juli Edelstein. Er sei zuversichtlich, dass die amerikanische Behörde entschieden gegen den «abscheulichen Angreifer» handeln werde - wie gegen jeden Kriminellen, der seine Hand gegen einen Juden erhebe.

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem äusserte sich «zutiefst besorgt über die Nachrichten und Bilder von dem Ort einer weiteren antisemitischen Attacke». Das Wiesenthal-Zentrum forderte US-Präsident Donald Trump zur Einrichtung einer FBI-Sondereinheit im Kampf gegen Antisemitismus auf, «nach den endlosen Attacken auf Juden und ihre religiösen Einrichtungen». «Genug ist genug! Juden sollten in Amerika nicht um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie in ihre Gotteshäuser gehen.»

Auch das Internationale Auschwitz Komitee und die Konferenz der Europäischen Rabbiner verurteilten die Attacke