Terror in Wien: Frau stirbt an Verletzungen - Noch keine Entwarnung

Nach dem Terrorangriff in der Wiener Innenstadt ist ein weiteres Opfer gestorben. Eine Frau sei im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen, sagte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) im ORF. Neben einem von der Polizei erschossenen Terroristen starben damit zwei Passanten.

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Polizeifahrzeuge stehen in der Wiener Innenstadt. Foto: Herbert Neubauer/APA/dpa

Polizeifahrzeuge stehen in der Wiener Innenstadt. Foto: Herbert Neubauer/APA/dpa

Keystone/APA/Herbert Neubauer
(sda/dpa)

15 Menschen wurden teils schwer verletzt. Die Suche nach einem weiteren Attentäter lief unterdessen auch in der Nacht auf Hochtouren. Aufgrund der Gefahrensituation wurden die Bürger aufgerufen, möglichst zu Hause zu bleiben. Schüler müssen am Dienstag in Wien nicht zur Schule.

Bei dem Terrorangriff waren am Montagabend nahe einer Synagoge in einem Ausgehviertel von den Tätern zahlreiche Schüsse abgefeuert worden. Die Angreifer zielten nach Darstellung von Augenzeugen auf Menschen in den Lokalen und den Gastgärten. Die Hintergründe der Tat blieben auch nach Stunden noch unklar. «Wer einen von uns angreift, greift uns alle an», sagte der Innenminister Karl Nehammer. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz verurteilte den Angriff als «widerwärtigen Terroranschlag».

Bürgermeister Ludwig erklärte, dass der erschossene Attentäter wohl keinen Sprengstoffgürtel, sondern eine Attrappe getragen habe. Dies werde derzeit noch näher untersucht. Der Mann sei mit einer Langwaffe, aber auch mit einer Pistole und einer Machete ausgerüstet gewesen. Er war «sehr umfassend vorbereitet», wie Ludwig sagte. Die Polizei überprüft derzeit noch die Identität des Attentäters.

Auch nach Mitternacht gab es noch keine Entwarnung. Das gesamte Zentrum der österreichischen Hauptstadt war weiträumig abgesperrt. Soldaten wurden zum Objektschutz beordert. Innenminister Nehammer erneuerte den Appell an die Wiener in der Nacht: «Meiden sie die Innenstadt», sagte Nehammer. Die Behörden wollen auf einer Pressekonferenz um 6 Uhr am Dienstagmorgen über den neuesten Stand der Fahndung und der Ermittlungen informieren.

Nach Darstellung der Polizei gab es sechs verschiedene Tatorte. An dem Angriff seien mehrere Täter mit «Langwaffen» beteiligt gewesen. Die ersten Schüsse seien in der Seitenstettengasse abgegeben worden, einer belebten Strasse im Zentrum. Dort befindet sich auch die Synagoge. Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, schrieb auf Twitter, es könne nicht gesagt werden, ob sie eines der Ziele war. «Fest steht allerdings, dass sowohl die Synagoge (...) als auch das Bürogebäude an derselben Adresse zum Zeitpunkt der ersten Schüsse nicht mehr in Betrieb und geschlossen waren.»

Bundeskanzler Kurz forderte die Bevölkerung auf, weiter an einem sicheren Ort zu bleiben. «Ob es möglich ist, morgen in der Früh ganz normal das öffentliche Leben aufzunehmen, das wird stark von der heutigen Nacht abhängen und ob es gelingt, die Verdächtigen zu fassen beziehungsweise auszuschalten.» Ein antisemitischer Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden. Zugleich fügte er hinzu: «Wir können zu dem Hintergrund noch nicht wirklich etwas sagen.»

Die Polizei rief die Bevölkerung ebenfalls dazu auf, öffentliche Plätze zu meiden. «Wir sind mit allen möglichen Kräften im Einsatz. Bitte meiden Sie alle öffentlichen Plätze im Stadtgebiet», hiess es bei Twitter. Zudem wurde darum gebeten, übers Internet keine Gerüchte zu verbreiten. «KEINE Videos und Fotos in sozialen Medien posten, dies gefährdet sowohl Einsatzkräfte als auch Zivilbevölkerung!»

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen versicherte auf Twitter: «Wir werden unsere Freiheit und Demokratie gemeinsam und entschlossen mit allen gebotenen Mitteln verteidigen.» Auch international wurde der mutmassliche Anschlag von zahlreichen Spitzenpolitikern verurteilt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Deutsch auf Twitter: «Nach Frankreich ist es ein befreundetes Land, das angegriffen wird. Dies ist unser Europa. Unsere Feinde müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wir werden nichts nachgeben.» In Frankreich hatte es in den letzten Wochen drei Anschläge gegeben, die Ermittler gehen jeweils von einem islamistischen Hintergrund aus.