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Team in Japan darf menschliche Organe in Tieren züchten

Japanische Forscher dürfen mit der Züchtung von menschlichen Organen in Tieren beginnen. Das Wissenschaftsministerium segnete den Beginn der Forschung mit menschlichen Stammzellen ab, die in Tierembryonen eingepflanzt und von den Tieren ausgetragen werden sollen.
(sda/dpa)

Das bestätigte Ayako Maesawa, Direktorin beim Ministerium in Tokio, der Nachrichtenagentur dpa. Die Erlaubnis bezieht sich jedoch nur auf ein Forschungsprojekt der Universität Tokio. Ziel der Forschung insgesamt ist es, später einmal Menschen zu helfen, die bisher vergeblich auf eine Organspende warten.

Ein Forscherteam der Universität Tokio will nun in Embryos von Nagern sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) einpflanzen. Die Embryos seien genmanipuliert, so dass sie keine eigene Bauchspeicheldrüse haben werden. Es sei zu erwarten, dass die heranwachsenden Föten eine Bauchspeicheldrüse aus den menschlichen iPS-Zellen haben werden, so die Ministeriumssprecherin.

Die Föten sollen von den Tieren ausgetragen werden. Während der Schwangerschaft solle auch herausgefunden werden, ob sich auch woanders im Körper der Tiere menschliche Stammzellen verbreiten, so Maesawa. Die ausgetragenen Embryos würden später getötet, erklärte die Sprecherin.

Von Nager zu Nager hat's schon geklappt

Der japanische Professor für Stammzellenforschung, Hiromitsu Nakauchi, habe bereits 2017 iPS-Zellen von Mäusen in Rattenembryonen eingesetzt, die keine Bauchspeicheldrüse entwickeln konnten, schreibt der Asien-Korrespondent von «Nature», David Cyranoski, in dem Fachjournal. Die Ratten entwickelten daraufhin Bauchspeicheldrüsen, die ausschliesslich aus Mäusezellen bestanden. Zurückgesetzt in eine Maus mit Diabetes habe das Organ wie gewöhnlich den Blutzuckerspiegel kontrolliert.

Das Team will iPS-Zellen in einem weiteren Versuch auch in Embryonen von Affen und Schweinen einpflanzen. Diese sollen jedoch nicht von den Tieren ausgetragen werden. Man wolle lediglich die Embryos züchten, um herauszufinden, zu wie viel Prozent sie aus iPS-Zellen bestehen.

Hybrid-Embryos aus Mensch und Tier seien zuvor schon in den USA und anderen Ländern gezüchtet worden, schreibt Cyranoski. Sie wurden jedoch immer sehr früh getötet und nie bis fast zur Geburt heranwachsen gelassen. Nakauchis Projekt sei das erste, das unter einem neuen japanischen Gesetz von einem Ministeriumsgremium abgesegnet worden sei.

«Es ist sehr heikel, solche Versuche zu machen», sagte Jens Reich, Mediziner und Molekularbiologe am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin. «Stammzellen in der Entwicklung sind sehr schwer zu kontrollieren, und es muss ganz sicher sein, dass sie in einer bestimmten Ecke des Organismus zum Beispiel in der Pankreas (Bauchspeicheldrüse) bleiben.»

Man will Vorsicht walten lassen

Bis zum Frühjahr dieses Jahres war es in Japan verboten, solche Föten austragen zu lassen. Dahinter hatten ethische Bedenken bestanden, dass Mischlinge aus Mensch und Tier entstehen könnten. Das Wissenschaftsministerium hob jedoch Einschränkungen für das Einpflanzen menschlicher Stammzellen in Tieren auf. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass ein solches Risiko, Mensch-Tier-Chimären entstehen zu lassen, technisch bei Null liege, hiess es dazu.

In Japan sind sich Forscher der ethischen Bedenken sehr wohl bewusst. Nakauchi will dem «Nature»-Bericht zufolge nach und nach kleine Fortschritte machen und zunächst Mäuseföten 14,5 Tage - also bis kurz vor der Geburt - heranwachsen lassen. Später will er dasselbe mit Ratten unternehmen. Er plane, eine Genehmigung für entsprechende Schweineversuche zu beantragen.

«Es ist gut, schrittweise mit Vorsicht voranzugehen, um es zu ermöglichen, einen Dialog mit der Bevölkerung zu haben, die sich ängstigt und Bedenken hat», sagte Politikforscher Tetsuya Ishii von der Hokkaido Universität im japanischen Sapporo dem Journal «Nature».

* Fachartikelnummer DOI: 10.1038/d41586-019-02275-3

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