Star in der Wissenschaftswelt: Die Biochemikerin Jennifer Doudna

Seit die frischgebackene Chemie-Nobelpreisträgerin Jennifer Doudna 2012 mit Emmanuelle Charpentier und weiteren Kollegen im Fachmagazin «Science» die Grundfunktionen der Genschere Crispr/Cas9 vorstellte, war ihr Aufstieg zum Star der Wissenschaftswelt rasant.

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Die frischgebackene Chemie-Nobelpreisträgerin Jennifer A. Doudna ist ehrgeizig, höflich und stets adrett gekleidet und frisiert. Dass man ihr das Urheberrecht an der Genschere streitig macht, betrübt sie. Aber die Freude daran nimmt ihr keiner weg, sagt sie.

Die frischgebackene Chemie-Nobelpreisträgerin Jennifer A. Doudna ist ehrgeizig, höflich und stets adrett gekleidet und frisiert. Dass man ihr das Urheberrecht an der Genschere streitig macht, betrübt sie. Aber die Freude daran nimmt ihr keiner weg, sagt sie.

Keystone/EPA UC BERKELEY/KEEGAN HOUSER / UC BERKELEY HAND
(sda/dpa)

«Science» erklärte die Entdeckung zu einer der wichtigsten des Jahres. Das «Time»-Magazin zählte Doudna kurz darauf zu den einflussreichsten Menschen der Welt. Sie reiste um die Welt für Vorträge, bei denen die Zuhörer bis weit auf den Gang hinaus standen. Und sie bekam viele renommierte Preise verliehen. Jetzt wurde ihr gemeinsam mit Charpentier der Chemie-Nobelpreis zuerkannt.

Zudem trieb Doudna die Forschung an Crispr/Cas9 in ihrem nach ihr benannten Labor an der Universität in Berkeley voran und gründete zahlreiche darauf basierte Biotechnologie-Unternehmen. Die Wissenschaftlerin habe eine «ungewöhnliche Intensität», schrieb die «New York Times» einmal. «Mit ihr zu sprechen fühlt sich ein bisschen so an, als würde man einem Reiher gegenübersitzen, der einen nicht gerade vielversprechenden Fisch beäugt.»

Wissenschaft als Zeitvertreib eines einsamen Kinds

Doudna wurde 1964 in Washington geboren und wuchs zeitweise auf Hawaii auf, wo ihr Vater Literaturprofessor war. Über ihren kleinen Wohnort mit nur wenigen weissen Menschen sagte sie: «Ich hatte sehr schwere Zeiten dort. Ich sah anders aus als alle anderen. Kinder können so gemein sein. Ich hatte nicht viele Freunde».

Statt mit anderen zu spielen habe sie viel gelesen, auch populärwissenschaftliche Bücher, die ihr Vater ihr gegeben habe. «Ich erinnere mich daran, dass ich viel auf meinem Bett gelegen habe und darüber nachgedacht habe, wie die Dinge so funktionieren, besonders in der Natur.»

Die Freude an der Genschere nimmt ihr keiner weg

Nach der Schule studierte Doudna, die in der Fachwelt als höflich, genau und ehrgeizig gilt und immer schick gekleidet und akkurat frisiert auftritt, Biochemie in Kalifornien und an der Elite-Universität Harvard. Seit Anfang der 2000er Jahre lehrt sie mit Unterbrechungen an der University of California in Berkeley. Doudnas Mann ist ebenfalls Chemiker, die beiden haben einen Sohn.

Der andauernde Patentstreit um die Crispr/Cas9-Entdeckung betrübe sie sehr, sagt Doudna. «Aber die Wahrheit ist, dass niemand mir die Freude an der eigentlichen Entdeckung jemals nehmen können wird. Niemand kann mir diesen Moment im Labor nehmen, als wir etwas gesehen haben, dass niemals je zuvor gesehen wurde.»

Wieder in Tuchfühlung mit der Natur

Die Corona-Krise hat Jennifer Doudna in ihren Garten zurückgebracht. «Ich bin eine begeisterte Gärtnerin, aber ich hatte in den vergangenen sechs oder sieben Jahren überhaupt keine Zeit, in meinem Garten zu arbeiten, wegen all diesem Wahnsinn mit Crispr und der Arbeit an der Universität», sagte die Biochemikerin jüngst in einem Interview.

«Jetzt aber hatte ich die Möglichkeit, mich wieder mit meinem Garten zu verbinden, mit den Blumen, und neu zu entdecken, was es bedeutet, ein ausbalancierteres Leben zu haben. Das ist wahrscheinlich der Silberstreifen am Horizont der momentanen Zeit.»