Spaniens Militär bittet in Corona-Krise Nato um Unterstützung

Wegen der Corona-Krise hat Spaniens Militär die Nato um Hilfe gebeten. Die spanischen Streitkräfte hätten «internationale Hilfe» angefordert, um Unterstützung bei der medizinischen Versorgung zu erhalten, erklärte das Militärbündnis am Dienstag.

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Provisorische Krankenbetten in Madrid.
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Ein Arbeiter desinfiziert in der syrischen Stadt Kamischli die Strassen.
Italien leidet stark an den Folgen des Coronavirus.
Einkaufen in Madrid.

Provisorische Krankenbetten in Madrid.

KEYSTONE/EPA/FERNANDO VILLAR
(sda/afp/dpa)

Demnach bat Madrid um 500'000 Test-Kits, 500 Beatmungsgeräte sowie 1,5 Millionen OP-Masken und 450'000 Atemschutzmasken. Trotz einer vor zehn Tagen verhängten strikten Ausgangssperre steigen in Spanien sowohl die Zahl der Neuansteckungen als Todesopfer weiter an. Am Dienstag meldete das Land insgesamt fast 2700 Todesfälle.

In den vergangenen 24 Stunden seien 514 weitere Menschen an der durch den Erreger ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, teilte das Gesundheitsministerium in Madrid mit. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen erhöhte sich den Angaben zufolge um fast 20 Prozent auf knapp 40'000.

Spanien ist nach Italien das am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land in Europa. Die Hauptstadt-Region Madrid ist mit 1535 Toten und mehr als 12'350 Infektionsfällen am stärksten betroffen.

Die Zahl der Erkrankten hat das medizinische System an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Etwa 5400 Beschäftigte im Gesundheitswesen wurden positiv auf das Virus getestet - rund zwölf Prozent aller Infizierten.

Angesichts der dramatischen Entwicklung will die Regierung die landesweite Ausgangssperre bis zum 11. April verlängern. Regierungschef Pedro Sánchez will dem Parlament einen entsprechenden Antrag vorlegen. «Wir sind uns bewusst, wie schwer es ist, diese Situation zu verlängern, aber es ist absolut unerlässlich, dass wir das Virus weiter bekämpfen, um diesen Kampf zu gewinnen», sagte Regierungssprecherin María Jesús Montero.

Bereits seit dem 14. März gelten in Spanien weitreichende Ausgangsbeschränkungen. Die 46 Millionen Einwohner dürfen ihr Zuhause nur verlassen, um zur Arbeit zu gelangen, Einkäufe zu erledigen, Medikamente zu besorgen oder den Hund auszuführen.

Wieder mehr Tote in Italien

In Italien starben unterdessen wieder mehr als 700 Menschen innerhalb eines Tages. Damit wurden vorsichtige Hoffnungen auf eine rasche und deutliche Abflachung der Virus-Kurve zunächst gedämpft.

Insgesamt zählte der italienische Zivilschutz bisher 6820 Todesopfer - das waren am Dienstag 743 mehr als am Vortag. In den beiden Tagen davor hatte es jeweils etwas weniger neue Tote gegeben als zuvor. Die Zahl der Menschen, die in Italien positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet wurden, stieg auf mehr als 69'000.

In Grossbritannien stieg die Zahl der Toten durch die von dem neuartigen Coronavirus hervorgerufene Lungenkrankheit Covid-19 unterdessen um 87 auf 422. Die Zahl der bestätigten Infektionen liegt inzwischen bei mehr als 8000. Die tatsächliche Zahl dürfte aber erheblich höher sein. In Grossbritannien wurden bislang nur rund 82'000 Menschen getestet.

Die Covid-19-Pandemie forderte in Frankreich bereits 1100 Opfer gefordert. In Frankreich steckten sich bisher rund 22'300 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 an.

In Deutschland wurden bislang mehr als 32'400 Infektionen registriert. Mehr als 150 mit Sars-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang landesweit gestorben. In Österreich sieg die Zahl der nachweislich mit dem neuen Coronavirus infizierten Menschen auf über 5000, 28 starben.

Auch die USA sind von der Corona-Epidemie stark betroffen. Nach Zahlen der Johns-Hopkins-Universität wurden landesweit mehr als 46'800 Infektionen und mehr als 590 Todesfälle bestätigt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte, die USA könnten Europa bald als neues Epizentrum der Pandemie ablösen.

Auch in Südafrika breitet sich das neuartige Coronavirus weiter stark aus. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen habe sich um mehr als 150 neue Fälle auf 554 erhöht. Südafrika ist das am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land in Afrika. Todesfälle gibt es bisher nicht.

In Bewegungsfreiheit eingeschränkt

Nach der Verhängung einer «vollständigen Ausgangssperre» in Indien haben verschiedene Länder weltweit inzwischen für mehr als 2,6 Milliarden Menschen massive Beschränkungen der freien Bewegung angeordnet. Dies geht aus einer Statistik hervor, welche die Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage offizieller Erklärungen führt.

Weltweit infizierten sich laut einer AFP-Zählung bereits mehr als 400'000 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus. An der Lungenkrankheit starben fast 18'000 Menschen.