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Proteste wegen Freilassung mutmasslicher Vergewaltiger in Spanien

Die Freilassung von fünf mutmasslichen Sexualstraftätern hat in Spanien für grosse Empörung gesorgt. Tausende Menschen gingen am Freitagabend bei Kundgebungen im ganzen Land gegen die Gerichtsentscheidung auf die Strasse.
Frauen protestieren in Pamplona mit roten Handschuhen gegen die Freilassung der mutmasslichen Vergewaltiger. (Bild: KEYSTONE/AP/ALVARO BARRIENTOS)

Frauen protestieren in Pamplona mit roten Handschuhen gegen die Freilassung der mutmasslichen Vergewaltiger. (Bild: KEYSTONE/AP/ALVARO BARRIENTOS)

(sda/afp)

Ein Berufungsgericht in Pamplona hatte zuvor angeordnet, die Männer im Alter zwischen 27 und 29 Jahren jeweils gegen eine Kaution von 6000 Euro freizulassen.

Die Männer aus Sevilla, die sich selbst als «La Manada» ("Das Rudel») bezeichneten, waren im April zu jeweils neun Jahren Haft verurteilt worden. Sie sollen im Sommer 2016 eine 18-jährige Frau beim San-Fermín-Fest in Pamplona missbraucht haben. Seither sassen sie in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Bis Berufungsurteil frei

Das Gericht entschied nun, die Männer bis zu ihrem Berufungsurteil vorläufig freizulassen - der soziale Druck mache einen Rückfall «praktisch undenkbar», hiess es. Sie müssen ihre Reisepässe abgeben und dürfen Spanien nicht verlassen.

Nach Madrid, wo ihr Opfer lebt, dürfen die Männer ebenfalls nicht reisen. Ausserdem müssen sie sich dreimal in der Woche bei Gericht an ihrem jeweiligen Wohnort melden.

Nach ersten Medienberichten über die Entscheidung hatte es bereits am Donnerstagabend in mehreren spanischen Städten Proteste gegeben: «Es ist eine Schande, dass diese Taugenichtse so einfach davonkommen», sagte ein 66-jährige Demonstrantin in Barcelona der Nachrichtenagentur AFP. Für Freitagabend hatten Frauenorganisationen dann unter anderem zu Demonstrationen in Madrid, Valencia, Sevilla und Bilbao aufgerufen.

Mentalitätswandel

In Madrid versammelten sich tausende Frauen und Männer jeden Alters vor dem Justizministerium. Die Demonstranten kritisierten in Sprechchören die «patriarchale Justiz» in Spanien.

«Wir brauchen eine Justizreform und müssen die Richter, die noch aus einem anderen Zeitalter stammen, ersetzen», sagte die 41-jährige Noelia Garcia. Die 60-jährige Lucía Rodríguez sagte, es sei «nicht gerecht», die Männer freizulassen.

In Pamplona gingen ebenfalls tausende Menschen zu Strasse. Auch in Sevilla, der Heimatstadt der fünf Männer, gab es Proteste gegen ihre Freilassung. Weitere Protestaktionen gab es in Valencia, Saragossa und Granada.

Pamplonas Stadtpräsidium kündigte an, als Zivilpartei in dem Verfahren Berufung gegen die Freilassung einzulegen. Spaniens neue Justizministerin Dolores Delgado nannte die im Prozess ans Licht gebrachten Tatsachen «schwerwiegend» und forderte einen «Mentalitätswandel».

Bereits die Gerichtsentscheidung vom April hatte für Proteste gesorgt, da die Männer nicht wegen «Vergewaltigung» verurteilt wurden, sondern wegen «sexuellen Missbrauchs» - obwohl «La Manada» die Tat gefilmt hatte. Auch die Demonstranten in Madrid hatten am Freitag ein Spruchband mit der Aufschrift «Das ist kein Missbrauch, das ist Vergewaltigung» dabei.

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