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Papst hört Missbrauchsopfern zu - Um Verzeihung bitten reicht nicht

Missbrauchsopfer aus Chile haben sich dankbar für konstruktive und aufrichtige Gespräche mit Papst Franziskus gezeigt. Das katholische Kirchenoberhaupt hatte José Andrés Murillo, Juan Carlos Cruz und James Hamilton am Wochenende in den Vatikan eingeladen.
Zu wenig zu spät? Die Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische "Würden"träger verlangen mehr als die Bitte um Verzeihung. Der Papst wird seinen Erklärungen Nachdruck verleihen - und sie vor allem auch umsetzen - müssen (in einer Aufnahme vom 11. April auf dem Petersplatz im Vatikan). (Bild: KEYSTONE/AP/ANDREW MEDICHINI)

Zu wenig zu spät? Die Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische "Würden"träger verlangen mehr als die Bitte um Verzeihung. Der Papst wird seinen Erklärungen Nachdruck verleihen - und sie vor allem auch umsetzen - müssen (in einer Aufnahme vom 11. April auf dem Petersplatz im Vatikan). (Bild: KEYSTONE/AP/ANDREW MEDICHINI)

(sda/dpa)

Missbrauchsopfer aus Chile haben sich dankbar für konstruktive und aufrichtige Gespräche mit Papst Franziskus gezeigt. Das katholische Kirchenoberhaupt hatte José Andrés Murillo, Juan Carlos Cruz und James Hamilton am Wochenende in den Vatikan eingeladen.

Dort wollte der Papst sie um Verzeihung bitten, ihren Schmerz über das Erlittene teilen und ihre Vorschläge hören, wie sich Sexualverbrechen in der Kirche künftig verhindern lassen.

Wie andere waren die drei Männer als Minderjährige von dem chilenischen Pfarrer und Priesterausbilder Fernando Karadima sexuell missbraucht worden. Der Pontifex führte das erste Gespräch am Freitag. Am Samstag und Sonntag folgten weitere.

"Sehr glücklich und zufrieden" habe er sich nach der Begegnung mit dem Papst gefühlt, die mehr als zwei Stunden dauerte, schrieb Hamilton am Samstag auf Twitter. Das Treffen sei "ehrlich, gastfreundlich und enorm konstruktiv" gewesen.

Noch vor wenigen Monaten wären solche Worte wohl schwer vorstellbar gewesen. Der Papst zog im Januar in Chile heftige Kritik auf sich, weil er während seines Besuchs in dem südamerikanischen Land Bischof Juan Barros verteidigt hatte. Barros wird beschuldigt, den 2011 für Sexualdelikte schuldig gesprochenen Karadima gedeckt zu haben.

Als Kommunikations-Stümper in Chile

"Es besteht kein einziger Beweis gegen ihn, es ist alles Verleumdung", hatte der Argentinier gesagt. Später entschuldigte er sich für seine Wortwahl, schickte den maltesischen Erzbischof als "Ermittler" nach Chile und New York - und bat kürzlich in einem Brief für seinen Umgang mit dem Fall und "schwere Irrtümer" um Verzeihung. Voraussichtlich im Mai will er mit den chilenischen Bischöfen in Rom über die Ergebnisse der Untersuchung sprechen.

Die Erwartungen an den Papst sind hoch: Die Missbrauchsopfer fordern endlich Konsequenzen. "Dies ist kein Marketing-Meeting. Es ist ein nie da gewesener Schritt, um in dieser Frage voranzukommen", hatte Hamilton der Deutschen Welle vor dem Treffen mit dem katholischen Kirchenoberhaupt gesagt.

Lateinamerika vor "Tsunami"

Die Absetzung von Bischof Barros ist nur eine Forderung. Langfristig wird erwartet, dass Papst Franziskus strukturelle Veränderungen auf den Weg bringt, die den Schutz von Minderjährigen garantieren und die dafür sorgen, dass Straftäter konsequent verurteilt werden. Die chilenische Bischofskonferenz mache sich keine Vorstellung über "das Erdbeben und den Tsunami, die auf sie zukommen", sagte Cruz dem Fernsehsender CNN.

Missbrauch müsse als Missbrauch von Macht verstanden werden, habe Murillo dem Papst in seinem Gespräch erklärt. "Voller Respekt und aufrichtig" habe er den Pontifex darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, "Verantwortung (für den Missbrauch), Fürsorge zu übernehmen" und nicht nur um Verzeihung zu bitten, twitterte er nach dem Treffen.

"Vertreter vieler Missbrauchsopfer"

Für die drei Männer war Franziskus' Brief im April der ausschlaggebende Punkt, seine Einladung in den Vatikan anzunehmen. Dort wollen die Männer für Missbrauchsopfer aus aller Welt sprechen. "Wir haben uns Stück für Stück in Vertreter vieler Menschen verwandelt, die Missbrauch erlitten haben", sagte Murillo vor Journalisten in Rom.

Franziskus erklärt immer wieder, bei Missbrauch wie sein Vorgänger Benedikt XVI. ein "Null-Toleranz-Prinzip" zu verfolgen. Der Argentinier rief 2014 die Kinderschutzkommission ins Leben. Allerdings wird immer wieder kritisiert, dass es innerhalb der Kirche auch unter Franziskus noch Widerstand gegen die Aufklärung gibt.

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