Papst: Gewalt an Frauen ist «Schändung Gottes»

Der Papst hat mehr Mitspracherecht für Frauen gefordert und Gewalt gegen sie als «Schändung Gottes» bezeichnet. «Wenn wir unser Handeln heute menschlich gestalten wollen, müssen wir wieder auf die Frau schauen», sagte Franziskus während der Neujahrsmesse im Petersdom.

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Im Alter von 83 Jahren ein neues Thema gefunden: die Frau. Papst Franziskus am Neujahrstag im Petersdom.

Im Alter von 83 Jahren ein neues Thema gefunden: die Frau. Papst Franziskus am Neujahrstag im Petersdom.

KEYSTONE/AP
(sda/dpa)

Frauen seien «Quellen des Lebens». «Und doch werden sie ständig beleidigt, geschlagen, vergewaltigt, dazu gebracht, sich zu prostituieren oder das Leben in ihrem Schoss auszulöschen.»

Der Frauenkörper werde auf «profanen Altären der Werbung, des Gewinns und der Pornografie geopfert, ausgebeutet wie ein Nutzobjekt». Er müsse «vom Konsumismus befreit werden, er muss geachtet und geehrt werden; er ist das edelste Fleisch der Welt», sagte der Papst.

Auch heute werde die «Mutterschaft gedemütigt, weil das einzige Wachstum, das interessiert, das Wirtschaftswachstum ist». Viele Mütter müssten fliehen, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu sichern. «Sie werden für überschüssig gehalten von Menschen, deren Bauch voll ist, jedoch mit Dingen, und deren Herz leer an Liebe ist.»

Die Frau sei «Spenderin und Mittlerin des Friedens und muss an den Entscheidungsprozessen voll beteiligt werden», sagte Franziskus weiter. Die katholische Kirche feiert an Neujahr traditionell das Hochfest der Mutter Gottes.

Hoffnungen nicht erfüllt

Seit langem fordern Laien und auch viele Katholiken mehr Mitsprache von Frauen in der Kirche. Jedoch sind Hoffnungen bisher enttäuscht worden, dass Franziskus die Kirche für Frauen wesentlich öffnet. Zum Beispiel dürfen Frauen keine Priester werden, daran wird sich auch unter dem derzeitigen Papst nichts ändern. Und auch die Hoffnung auf die Einführung eines Frauendiakonats wurde gedämpft, weil eine Vatikan-Kommission in diesem Punkt zu keinem Ergebnis kam.

Auch die römische Kurie - also der Verwaltungsapparat der Kirche - ist auf Führungsebene nur mit Männern besetzt. Zwar hebt Franziskus immer wieder den Wert der Frauen hervor - doch an den Fakten hat sich bisher wenig geändert.

Feind erkannt: der Teufel

Nun sagte der Pontifex, die Welt sei «geeinter und friedvoller», wenn Frauen mehr einbezogen würden. «Daher ist eine Errungenschaft für die Frau eine Errungenschaft für die ganze Menschheit.» Auch die Kirche finde ihre «Mitte und Einheit wieder», wenn sie sich der Frau nähert.

«Der Feind der menschlichen Natur, der Teufel, versucht hingegen, sie zu spalten, indem er die Unterschiede, die Ideologien, die einseitigen Überlegungen und Parteien in den Vordergrund stellt.» Innerhalb der Kirche gibt es grossen Widerstand gegen Franziskus' Reformvorhaben.