Corona-Pandemie: Wie auch diese fünf Krankheiten um den Globus gingen und wie die Schweiz betroffen war

Die Ausbreitung des neuen Coronavirus hält nicht nur China in Atem. International wächst die Sorge vor einer Pandemie– auch, weil Erinnerungen an vergangene Epidemien wach werden. Ein Vergleich.

Linda Müntener
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1. Saisonale Grippe

Jedes Jahr kommt sie wieder, die saisonale Grippe. Sie befällt bis 1,4 Milliarden Menschen weltweit; 650'000 sterben daran.

Krankheitsbild: Die Grippe zeigt sich durch heftigere Symptome als eine starke Erkältung. Betroffene leiden unter starken Gliederschmerzen, schmerzhaftem Husten, Halsschmerzen, Schüttelfrost, Fieber und Kopfschmerzen. Sie kann zu Komplikationen führen – davon betroffen sind vor allem Schwangere, Säuglinge oder Personen ab 65.

Verbreitung und Stand heute: Der epidemische Schwellenwert für die Saison 2019/20 liegt hierzulande bei 69 Grippeverdachtsfällen pro 100'000 Einwohner. Dieser wurde laut Bundesamt für Gesundheit bereits überschritten.

Vorbeugung: Gegen die Grippe kann man sich jährlich impfen lassen. Empfohlen wird das vor allem den oben genannten Risikogruppen.

Jedes Jahr kommt die Grippewelle. Risikopatienten wird eine Impfung empfohlen.

Jedes Jahr kommt die Grippewelle. Risikopatienten wird eine Impfung empfohlen.

Bild: KeyGaetan Bally / KEYSTONE

2. Sars (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom)

Das Schwere Akute Respiratorische Syndrom (SARS) ist eine Infektionskrankheit. Verursacht wird sie von einem SARS-assoziierten Corona-Virus. Es wird angenommen, dass der Erreger beim Handel mit wildlebenden Tieren erstmals auf den Menschen übertragen wurde. Sars kann aber auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Nach dem Mers-Ausbruch wurden auf Märkten in Chinas Provinz Guandong Katzen desinfiziert.

Nach dem Mers-Ausbruch wurden auf Märkten in Chinas Provinz Guandong Katzen desinfiziert.

(Bild: Keystone)

Krankheitsbild: Die ersten Symptome ähneln einer saisonalen Grippe. Die Krankheit kann sich aber zu einer Lungenentzündung entwickeln, die im schlimmsten Fall zum Tod führt.

Verbreitung und Stand heute: Erstmals beobachtet wurde Sars 2002 in Südchina. Im Zuge einer weltweiten Epidemie steckten sich in den darauffolgenden zwei Jahren 8100 Personen in 32 Ländern an. Hauptsächlich betroffen waren China und Hong Kong, aber auch in Kanada, Taiwan, Singapur, Vietnam und den USA gab es Fälle. In der Schweiz wurden laut Angaben des Bundesamts für Gesundheit im Frühjahr 2003 30 Verdachtsfälle gemeldet. Alle Labortests waren jedoch negativ. Seit Mitte 2004 sind weltweit keine Sars-Fälle mehr verzeichnet worden.

Vorbeugung: Eine Impfung oder eine spezifische Behandlung gibt es nicht.

3. Mers (Middle East Respiratory Syndrome)

Die Mers-Erkrankung tauchte 2012 in Saudi-Arabien auf.

Die Mers-Erkrankung tauchte 2012 in Saudi-Arabien auf.

Bild:
KEYSTONE

Auch Mers ist eine Erkrankung mit Coronaviren, die 2012 in Saudi-Arabien auftauchte. Sie befiel 2500 Menschen, 850 starben.

Krankheitsbild: Zu Beginn zeigen sich Fieber, Husten, Schüttelfrost, und Muskelschmerzen. In schwerwiegenden Fällen kann sich eine Lungenentzündung entwickeln. Auch wurden Magen-Darmbeschwerden mitunter mit Durchfall beobachtet.

Verbreitung und Stand heute: Die WHO hat seit 2012 weltweit 2428 bestätigte MERS-CoV Infektionen inklusive 838 Todesfälle erfasst. Die meisten Infektionen wurden auf der Arabischen Halbinsel, insbesondere in Saudi-Arabien, festgestellt. Von importierten Fällen war die Schweiz nicht betroffen.

Vorbeugung: Reisende in Endemiegebiete laufen wenig Gefahr, sich anzustecken. Konkret hängt das Risikopotenzial jedoch vom Kontakt mit Dromedaren, deren Produkten oder Erkrankten ab. Bei einem Aufenthalt in den betroffenen Ländern gilt es indes, den Kontakt zu kranken Personen und Tieren (vor allem Dromedaren) zu vermeiden und auf die Hand- und Lebensmittelhygiene zu achten. Das heisst, Hände mit Wasser und Seife reinigen – vor allem vor und nach dem Berühren von Tieren –, kein ungenügend gekochtes Fleisch verzehren, nur pasteurisierte Milch trinken. Das BAG rät zudem, Empfehlungen vor Ort zu befolgen.

4. Schweinegrippe

Wer sich vor der Schweinegrippe schützen will, sollte auf die Hygiene achten.

Wer sich vor der Schweinegrippe schützen will, sollte auf die Hygiene achten.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Die Schweinegrippe tauchte 2009 in Mexiko auf und führte zu einigen Todesfällen. Die Grippeviren zirkulierten zuvor auch in Vögeln und Schweinen.

Krankheitsbild: Die Beschwerden sind vergleichsweise harmlos. Betroffene zeigen eher schwache, grippeähnliche Symptome – Schnupfen, Husten, Halsweh.

Verbreitung und Stand heute: Im Jahr 2010 meldete das Bundesamt für Gesundheit über 561 Personen, die wegen der Schweinegrippe ins Spital mussten. Menschen und Schweine können sich gegenseitig anstecken. Nicht immer wird die Schweinegrippe als solche erkannt. Da sie zur selben Zeit auftritt wie die saisonale Grippe, wird sie nicht selten damit verwechselt.

Vorbeugung: Mit der jährlichen Grippeimpfung kann man sich auch vor der Schweinegrippe schützen. Regelmässiges Händewaschen senkt das Risiko ebenfalls.

5. Spanische Grippe

Im Mai 1918 wurde die Spanische Grippe bekannt und raste um den Globus. Geschätzte 20 bis 100 Millionen Menschen starben an der Influenza. Ein Drittel der damaligen Weltbevölkerung soll sich laut Historikern angesteckt haben.

An der Spanischen Grippe starben Millionen Menschen. Auf dem Bild zu sehen ist ein Militärspital in Kansas, USA.

An der Spanischen Grippe starben Millionen Menschen. Auf dem Bild zu sehen ist ein Militärspital in Kansas, USA.

Bild: National Museum of Health and Medicine, Armed Forces Institute of Pathology, Washington

Krankheitsbild: Betroffene hatten hohes Fieber sowie starke Glieder-, Kopf- und Halsschmerzen.

Verbreitung und Stand heute: Bis heute sind Verlauf und Verbreitung der Spanischen Grippe nicht restlos aufgeklärt. Man geht davon aus, dass der Erste Weltkrieg, beziehungsweise die Heimkehr der Soldaten eine Rolle gespielt hatten.

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