Kreml sieht bei Koordinierungsrat in Belarus antirussische Tendenzen

Der neue Koordinierungsrat für einen friedlichen Machtwechsel in Belarus (Weissrussland) arbeitet aus Sicht des Kreml an einer Abkehr des Landes vom Nachbarn Russland.

Drucken
Teilen
dpatopbilder - Eine Frau steht vor einer Barrikade von Bereitschaftspolizisten. Tausende Demonstranten versammeln sich zu einem Protest gegen den Präsidenten Lukaschenko. Foto: Sergei Grits/AP/dpa

dpatopbilder - Eine Frau steht vor einer Barrikade von Bereitschaftspolizisten. Tausende Demonstranten versammeln sich zu einem Protest gegen den Präsidenten Lukaschenko. Foto: Sergei Grits/AP/dpa

Keystone/AP/Sergei Grits
(sda/dpa)

In einigen Dokumenten des Gremiums sei «der Schwerpunkt auf das Abnabeln von Russland gelegt» worden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau der Agentur Interfax zufolge. «Der Kreml neigt zu Politikern in Belarus, die für eine Kooperation mit Russland sind.»

Der Rat mit Vertretern der Zivilgesellschaft in Belarus bemüht sich um einen friedlichen Machttransfer in der Ex-Sowjetrepublik nach 26 Jahren mit Alexander Lukaschenko im Amt des Präsidenten. Der Staatschef hatte aber mehrfach damit gedroht, das Gremium zu zerschlagen. Die Opposition betonte, dass sie an einem Dialog mit Russland festhalten wollten. Beide Länder sind enge Verbündete.

Seit der umstrittenen Präsidentenwahl vor zwei Wochen kommt es jeden Tag landesweit zu Protesten. Am Sonntag beteiligten sich nach Schätzungen unabhängiger Medien mehr als 200 000 Menschen auf den Strassen in Minsk, um Lukaschenkos Rücktritt zu fordern.

«Wir können feststellen, dass es keine Provokationen seitens der Demonstranten gab», sagte Peskow. Zugleich sei der Kreml aber «besorgt» über die anhaltende direkte und indirekte Einmischung von aussen in die Angelegenheiten von Belarus. «Wir halten das für inakzeptabel.» Wen genau der Kreml damit meint, sagte Peskow nicht.