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Kardinal Marx kritisiert Kirchenverwaltung im Missbrauchsskandal

Der deutsche Kardinal Reinhard Marx hat bei der Missbrauchskonferenz im Vatikan Transparenz und Offenheit der Kirche im Umgang mit Missbrauchsfällen gefordert. Zugleich räumte er schwere Versäumnisse der Kirchenverwaltung ein.
Der deutsche Kardinal Reinhard Marx hat bei der Missbrauchskonferenz im Vatikan schwere Versäumnisse der Kirchenverwaltung eingeräumt. (Bild: KEYSTONE/AP/Gregorio Borgia)

Der deutsche Kardinal Reinhard Marx hat bei der Missbrauchskonferenz im Vatikan schwere Versäumnisse der Kirchenverwaltung eingeräumt. (Bild: KEYSTONE/AP/Gregorio Borgia)

(sda/afp)

«Akten, die die furchtbaren Taten dokumentieren und Verantwortliche hätten nennen können, wurden vernichtet oder gar nicht erst erstellt», sagte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz am Samstag im Vatikan. Nicht die Täter, sondern die Opfer seien «reglementiert» und ihnen sei «Schweigen auferlegt» worden.

«Festgelegte Verfahren und Prozesse zur Verfolgung von Vergehen wurden bewusst nicht eingehalten, sondern abgebrochen oder ausser Kraft gesetzt», kritisierte Marx in seinem Vortrag am dritten Tag der Konferenz. «Die Rechte von Opfern wurden gleichsam mit Füssen getreten und sie der Willkür Einzelner ausgeliefert.

Dies sind alles Geschehnisse, die dem zutiefst widersprechen, wofür die Kirche stehen sollte.» Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sei daher zu einem «nicht geringen Teil» auf Machtmissbrauch in der Verwaltung der katholischen Kirche zurückzuführen, sagte Marx.

«Verwaltung hat hier nicht dazu beigetragen, dass der Sendungsauftrag der Kirche erfüllt wird, sondern im Gegenteil, dass er verdunkelt, diskreditiert und verunmöglicht wurde.» Die Menschen müssten der Kirchenverwaltung «vertrauen» können, forderte Marx. Nachvollziehbarkeit und Transparenz seien «alternativlos».

21-Punkte-Plan als Diskussionsgrundlage

Papst Franziskus hatte die Konferenz am Donnerstag mit einem Ruf nach «konkreten und wirksamen Massnahmen» gegen sexuellen Missbrauch eröffnet. Als Diskussionsgrundlage legte er einen 21-Punkte-Plan vor.

Auf seine Einladung waren die 114 Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenzen weltweit nach Rom gereist. Sie sollen noch bis Sonntag über Konsequenzen aus den Missbrauchsskandalen in vielen Ländern beraten, welche die Kirche in den vergangenen Jahren zutiefst erschüttert haben.

Einige der Vorschläge von Franziskus orientieren sich an Regelungen in den USA wie etwa eine Telefon-Hotline und ein Online-Portal, um Missbrauchsfälle ausserhalb der eigenen Gemeinde zu melden.

Opfervertreter unzufrieden

Der Sprecher des deutschen Opferverbands Eckiger Tisch, Matthias Katsch, kritisierte den 21-Punkte-Plan am Samstag als zu kleinteilig. «Der grosse Plan - auf den warten wir noch», sagte Katsch im Radiosender Bayern 2.

«Null-Toleranz bedeutet: Priester, die Kinder und Jugendliche missbraucht haben, dürfen nicht mehr Priester sein. Und Bischöfe, die das vertuscht haben, sollten ebenfalls nicht mehr Bischöfe sein.» Katsch, der als Jugendlicher selbst von einem Pater missbraucht wurde, forderte eine «Verankerung im Kirchenrecht».

Der Papst kann sich bei seinem Vorgehen gegen Missbrauch zudem nicht auf die ungeteilte Unterstützung der Kirchenführung verlassen. Konservative Bischöfe stören sich daran, dass das Thema Missbrauch mit Zölibat, Machtmissbrauch und kirchlicher Intransparenz in Verbindung gebracht wird.

Marx, der dem liberaleren Lager angehört, sprach sich am Samstag dafür aus, bei Missbrauchsfällen die Öffentlichkeit «soweit möglich» über gerichtliche Verfahren, Fallzahlen und Einzelheiten zu informieren, um gegen ein «institutionelles Misstrauen» in die Kirche und «Verschwörungstheorien» vorzugehen.

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