Kapitänin Carola Rackete in Italien zur Anhörung bei Staatsanwaltschaft

Die in Italien festgenommene Kapitänin eines Flüchtlingsrettungsschiffes, Carola Rackete, ist am Donnerstag zu einer Anhörung bei der Staatsanwaltschaft in der sizilianischen Stadt Agrigent erschienen. Begleitet von einem grossen Medienrummel kam die 31-Jährige beim Gericht an.

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Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete bei der Ankunft zu ihrer Anhörung im Justizpalast in Agrigent. (Bild: Pasquale Claudio Montana Lampo / Keystone)

Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete bei der Ankunft zu ihrer Anhörung im Justizpalast in Agrigent. (Bild: Pasquale Claudio Montana Lampo / Keystone)

(sda/apa)

Die Deutsche lehnte aber jeglichen Kommentar ab. Die italienische Staatsanwaltschaft wirft ihr Beihilfe zur illegalen Einwanderung vor sowie das Eindringen in italienische Gewässer trotz eines offiziellen Verbots.

Rackete war am 29. Juni festgenommen worden, nachdem sie ihr Schiff «Sea-Watch 3» mit 40 Flüchtlingen an Bord in den Hafen von Lampedusa gesteuert hatte, obwohl Italiens rechtsradikaler Innenminister Matteo Salvini das Anlegen jeglicher Rettungsschiffe aus dem Mittelmeer in italienischen Häfen verboten hatte.

Dabei stiess die «Sea-Watch 3» gegen ein Schnellboot der Küstenwache, welches das Schiff am Anlegen hindern wollte. Rackete begründete ihr Vorgehen mit der verzweifelten Lage der Menschen an Bord, nachdem sich über zwei Wochen lang kein Hafen zur Aufnahme der «Sea-Watch 3» bereit erklärt hatte.

Wenige Tage später erklärte ein italienisches Gericht die Festnahme der deutschen Kapitänin für ungültig. Eine Richterin entschied, die 31-Jährige habe lediglich Menschenleben retten wollen. Das Verfahren gegen Rackete wurde aber fortgesetzt.

Libyen keine Option

Bei der Staatsanwaltschaft sollte sie am Donnerstag erklären, warum sie die Flüchtlinge aus dem Mittelmeer rettete, ohne auf die libysche Küstenwache zu warten, und warum sie dann mit ihrem Schiff nicht einen libyschen oder tunesischen Hafen ansteuerte.

Menschenrechtsorganisationen und auch die UNO kritisieren die Zustände in libyschen Flüchtlingslagern als menschenverachtend und lebensgefährlich. Dort werden Flüchtlinge regelmässig misshandelt, gefoltert und auch getötet.

Die Organisation Sea Watch und andere Hilfsorganisationen lehnen daher ein Zurückschicken von Migranten in das nordafrikanische Land strikt ab. Auch die libysche Küstenwache steht massiv in der Kritik.

Die Staatsanwaltschaft in Agrigent hatte beim Obersten Gericht Italiens auch Widerspruch gegen die Entscheidung des Gerichts eingelegt, den Vorwurf des gewaltsamen Eindringens in den Hafen von Lampedusa durch Rackete nicht aufrecht zu erhalten.

Ursprünglich sollte Rackete wegen des Zusammenstosses mit dem Schnellboot der Küstenwache auch Gewalt gegen ein Kriegsschiff vorgeworfen werden. Darauf stehen bis zu zehn Jahre Haft.

Klage gegen Salvini

Der Fall Rackete hatte europaweit für Schlagzeilen gesorgt, weil ein Flüchtlingsrettungsschiff trotz eines offiziellen Verbots in einen europäischen Hafen eingelaufen war.

Salvini von der fremdenfeindlichen Lega tobte und nannte Rackete eine «verbrecherische Kapitänin», die versucht habe, «fünf italienische Soldaten zu töten». Rackete reichte später Klage gegen Salvini wegen Verleumdung und Anstachelung zur Gewalt ein.

Er reagierte mit der Aussage: «Sie verstösst gegen die Gesetze und attackiert italienische Militärschiffe, und dann verklagt sie mich.» Und er fügte hinzu: «Ich habe keine Angst vor der Mafia, also stellt euch eine reiche deutsche und verwöhnte Kommunistin vor.»

Die deutsche Kapitänin erhielt von den Städten Paris und Barcelona Auszeichnungen für ihren Mut bei der Flüchtlingsrettung. Eine Internetkampagne zur Unterstützung der 31-Jährigen bei den Gerichtskosten und zur Fortsetzung der Flüchtlingsrettung durch Sea Watch brachte binnen weniger Tage mehr als 1,4 Millionen Euro ein.

Carola Rackete droht eine lange Haftstrafe

Drei Tage nach ihrer Verhaftung in Lampedusa ist Carola Rackete am Montag der Untersuchungsrichterin von Agrigento (Sizilien), Alessandra Vella, zur Einvernahme vorgeführt worden.
Dominik Straub, Rom