Ganz Italien wird Sperrzone - Alle Sportveranstaltungen abgesagt

Die italienische Regierung weitet die Sperrungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit wegen der Coronavirus-Krise auf das ganze Land aus. Es gebe keine Zeit zu verlieren, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sagte Premier Giuseppe Conte am Montagabend.

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Leere überall in Norditalien - und bald vielleicht im ganzen Land. Vor dem Mailänder Dom ist derzeit jedenfalls ungewöhnlich viel Platz...
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Greift durch: Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte.

Leere überall in Norditalien - und bald vielleicht im ganzen Land. Vor dem Mailänder Dom ist derzeit jedenfalls ungewöhnlich viel Platz...

KEYSTONE/EPA/MATTEO CORNER
(sda/apa/afp/reuters)

Internationale Zug- und Flugverbindungen sowie der öffentliche Nahverkehr sollen nicht ausgesetzt werden. Dafür bleiben Schulen, Universitäten und Kindergärten in ganz Italien bis mindestens 3. April geschlossen. Auch alle Sportveranstaltungen, eingeschlossen die Spiele der Serie A, werden ausgesetzt. Rund 60 Millionen Menschen sind von den Massnahmen betroffen.

9172 Infektionen wurden in Italien bis Montag erfasst, das sind fast 1800 Fälle mehr als am Vortag, wie aus den Zahlen des Zivilschutzes hervorgeht. Die Zahl der Toten erhöhte sich von 366 auf 463, davon allein 333 in der Lombardei mit ihrer Metropole Mailand. 724 Patienten sind wieder genesen.

Conte, der sich mit der EU-Kommission auf zusätzliche Defizitflexibilität in der Grössenordnung von 7,5 Milliarden Euro zur Eingrenzung der negativen Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie auf die italienische Wirtschaft geeinigt hat, will von Brüssel noch mehr Spielraum fordern.

Erste Tote in Deutschland

Erstmals starben am Montag auch in Deutschland zwei Menschen nach Erkrankungen mit dem neuen Coronavirus. Beide Todesfälle wurden am Montag in Nordrhein-Westfalen bekanntgegeben.

Unterdessen meldete auch Zypern seine ersten Coronavirus-Fälle. Bei zwei Menschen habe sich eine Infektion mit dem Erreger der Lungenkrankheit Covid-19 bestätigt, teilte das zyprische Medien- und Informationsamt am Montag mit. Damit gibt es nun in allen Mitgliedsstaaten der EU Infektionsfälle.

Ansteckungen in China sinken weiter

In China starben weitere 22 Menschen an den Folgen des neuartigen Coronavirus. Die Zahl neu Infizierter sank nach offiziellen Angaben weiter auf landesweit 40 Fälle. Es wird jedoch eine hohe Dunkelziffer vermutet. An Covid-19 sind in China bislang mehr als 3000 Menschen gestorben. Über 80'735 Infektionen wurden nachgewiesen, jedoch gelten mehr als 58'000 Patienten mittlerweile als geheilt.

Im Iran habe sich innerhalb von 24 Stunden die Zahl der Toten von 194 auf 237 erhöht, sagte Ministeriumssprecher Kianush Dschahanpur am Montag in Teheran. Die Zahl der offiziell erfassten Ansteckungen im Land kletterte auf 7161 – 595 mehr als am Vortag.

In Afrika steigt die Zahl der Infizierten langsam an. Das Virus wurde in mindestens neun Ländern nachgewiesen.

Symptome wie bei einer leichten Erkältung

Die meisten Coronavirus-Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen, die innerhalb von wenigen Tagen verschwindet, oder gar keine Symptome. Etwa 15 von 100 Infizierten erkranken schwer, betroffen sind vor allem ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen.

Das Frühjahr und der Sommer mit wärmeren Temperaturen dürften die Ausbreitung des Coronavirus entgegen erster Experteneinschätzungen nicht sehr stark verlangsamen. Es sei wohl damit zu rechnen, «dass wir direkt in eine Epidemiewelle hineinlaufen», sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten, am Montag in Berlin.

«Das heisst, wir müssen damit rechnen, dass ein Maximum von Fällen in der Zeit von Juni bis August auftreten wird», ergänzte Drosten in einem NDR-Podcast.