Corona, Krise und Explosion: Libanons Kliniken vor Kollaps

Mehr als drei Monate nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut droht den Krankenhäusern des Libanon wegen steigender Corona-Fallzahlen ein Kollaps.

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Medizinische Mitarbeiter in Schutzausrüstung versorgen einen im Bett liegenden Corona-Patienten auf der Intensivstation des Krankenhauses der Rafik-Hariri-Universität. Foto: Marwan Naamani/dpa

Medizinische Mitarbeiter in Schutzausrüstung versorgen einen im Bett liegenden Corona-Patienten auf der Intensivstation des Krankenhauses der Rafik-Hariri-Universität. Foto: Marwan Naamani/dpa

Keystone/dpa/Marwan Naamani
(sda/dpa)

«Die Klinik hat jetzt ihre maximale Aufnahmegrenze erreicht», sagte der Leiter des Krankenhauses der Rafik-Hariri-Universität in der Hauptstadt, Firas Abiad, der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Der Leiter der Vereinigung der privaten Krankenhäuser, Sulaiman Harun, warnte, die Pandemie habe den Gesundheitssektor des Libanon an den Rand der Leistungsfähigkeit gedrängt. Viele Kliniken könnten keine Patienten mehr aufnehmen.

Die libanesische Regierung hatte in der vergangenen Woche erneut einen «vollständigen Lockdown» beschlossen. Noch bis Ende des Monats sind fast alle öffentlichen Einrichtungen sowie Geschäfte, Restaurants und Cafés geschlossen. Täglich gilt von 17 Uhr an eine zwölfstündige Ausgangssperre. Das öffentlichen Leben ist damit in vielen Bereichen zum Stillstand gebracht worden.

Die Zahl der Corona-Infektionen war insbesondere nach der Explosion im Hafen am 4. August gestiegen. Den Hauptgrund für den Anstieg sieht Abiad jedoch in der dramatischen Wirtschaftskrise, unter der das Land am Mittelmeer seit Monaten leidet. Zudem seien die richtigen Massnahmen gegen das Virus nicht rechtzeitig genug beschlossen worden.

Libanons Kliniken befinden sich schon länger in einer Krise. Weil die Regierung ihnen Geld schuldig blieb, gerieten sie unter finanziellen Druck. So fehlte Geld, um medizinische Güter zu kaufen. Viele Libanesen klagen zudem, sie könnten dringend benötigte Medikamente nicht mehr in der Apotheke kaufen. Diese müssen grösstenteils eingeführt werden. Allerdings gehen dem Land wegen einer Finanzkrise die Devisenreserven aus, so dass es zu wenig Dollar für Importe hat.

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen lag in den vergangenen Tagen laut Regierungsangaben zwischen 1000 und 2000 - bei rund sechs Millionen Einwohnern. Die Zahl der Toten kletterte auf mehr als 800.