Chamenei nennt Proteste im Iran «gefährliche Verschwörung»

Das geistliche und staatliche Oberhaupt des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hat die jüngsten Proteste als «gefährliche Verschwörung» verurteilt. Verantwortlich dafür seien Banditen, die Verbindungen zu Exilanten sowie zu den USA, Israel und Saudi-Arabien unterhielten.

Hören
Drucken
Teilen
Ajatollah Ali Chamenei bei einem Treffen mit Mitgliedern der Basidsch-Einheiten, die an der Niederschlagung der Proteste beteiligt waren. (Bild: KEYSTONE/EPA LEADER OFFICE/LEADER OFFICE HANDOUT)

Ajatollah Ali Chamenei bei einem Treffen mit Mitgliedern der Basidsch-Einheiten, die an der Niederschlagung der Proteste beteiligt waren. (Bild: KEYSTONE/EPA LEADER OFFICE/LEADER OFFICE HANDOUT)

(sda/afp)

Sie hätten die Bevölkerung aufgehetzt, sagte Chamenei am Mittwoch. Bei den Protesten, deren Auslöser am 15. November die Bekanntgabe einer Benzinpreiserhöhung war, wurden nach Angaben des iranischen Innenministeriums rund 730 Bankfilialen und 140 Regierungsgebäude in Brand gesetzt.

Bei Auseinandersetzungen starben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge mindestens 143 Demonstranten. Die iranische Führung weist dies zurück, nennt selbst aber keine Zahlen.

«Eine tiefe, breite und sehr gefährliche Verschwörung, in die eine grosse Menge Geldes gesteckt wurde, ist durch das Volk zerschlagen worden», sagte Chamenei bei einem Treffen mit Vertretern der paramilitärischen Basidsch-Einheiten seiner Website zufolge. Die Einheiten waren an der Niederschlagung der Proteste beteiligt.

70 Tankstellen angezündet

Innenminister Abdolresa Rahmani Fasil erklärte der Nachrichtenagentur Irna zufolge, bei den Protesten seien mehr als 50 Stützpunkte, die von Sicherheitskräften genutzt wurden, attackiert worden. Ausserdem seien 70 Tankstellen in Brand gesteckt worden. Wo sich diese Angriffe ereigneten, sagte Rahmani Fasil nicht. Die Zahl der Teilnehmer an den Demonstrationen im ganzen Land gab er mit bis zu 200'000 an.

Die Proteste vor knapp zwei Wochen waren die grössten seit 2009, als Demonstranten der Führung Wahlbetrug vorgeworfen hatten. Diesmal machten die Menschen zunächst ihrem Unmut Luft, dass mitten in den immer weiter verschärften US-Sanktionen die Benzinpreise erhöht werden sollen. Dann wurden aber auch Forderungen nach einem Rücktritt der Führung laut.

Nach iranischen Angaben kamen bei den Protesten mehrere Menschen ums Leben, darunter auch Sicherheitskräfte. Mehr als 1000 Demonstranten seien festgenommen worden. Allerdings schätzt das Zentrum für Menschenrechte im Iran, eine in New York ansässige Interessengruppe, die Zahl der Festgenommenen auf 4000.