Astrophysiker Genzel erfuhr in virtueller Konferenz von Nobelpreis

Der deutsche Astrophysiker Reinhard Genzel hat mitten in einer virtuellen Konferenz erfahren, dass er in diesem Jahr den Physik-Nobelpreis erhält. «Ich war heute Morgen in einer virtuellen Konferenz, da kommt das Telefon und dann sagt da jemand: 'This is Stockholm'».

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Der frischgebackene Physik-Nobelpreisträger Reinhard Genzel, Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, am Dienstag bei einer Medienkonferenz in Garching bei München.

Der frischgebackene Physik-Nobelpreisträger Reinhard Genzel, Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, am Dienstag bei einer Medienkonferenz in Garching bei München.

Keystone/EPA/LUKAS BARTH-TUTTAS
(sda/afp)

So berichtete der Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik am Dienstag in Garching über den Anruf der Schwedischen Akademie. «Ich habe das wirklich nicht erwartet.»

Er sehe den Preis nicht nur als Auszeichnung für seine eigene Forschung, sagte der 68-Jährige weiter. Es sei auch eine Ehre für die Max-Planck-Gesellschaft «und eine gebührende Ehre für das ganze Team». Es gehe davon aus, dass sich nach Feierabend einige Kolleginnen und Kollegen zusammenfinden, «um noch ein Glas Wein zu trinken».

Genzel promovierte 1978 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie. Er ging anschliessend an das Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge. Ab 1980 wirkte er an der University of California, Berkeley, ab 1985/86 mit voller Professur. 1986 wurde er Direktor am Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching; seit 1999 ist er ausserdem ordentlicher Professor an der University of California in Berkeley - parallel zu seiner Tätigkeit in Garching.

Reinhard Genzel war massgeblich an der Entwicklung der Infrarot- und Submillimeter-Astronomie beteiligt. So gelang ihm mit seinem Team zunächst am La-Silla-Observatorium und dann am Very Large Telescope über langjährige Beobachtungen der Bahnen von Sternen nahe Sagittarius A* der Nachweis, dass sich im Zentrum der Milchstrasse ein supermassives Schwarzes Loch von etwa 4,3 Millionen Sonnenmassen befindet. Unabhängig gelang dies auch Astronomen um Andrea Ghez am Keck-Observatorium. Beide erhielten nun für ihre Entdeckung zusammen mit Roger Penrose den Nobelpreis für Physik 2020.

Genzel ist freilich noch nicht am Ziel: noch schärfere Messungen sind sein Ehrgeiz. Die derzeitigen Geräte könnten theoretisch «auf dem Mond eine Euro-Münze» erkennen, dies solle aber noch besser werden.