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Feuerwerkskörper und fliegende Flaschen: Mehrere Verletzte bei Krawallen in Chemnitz

Einen Tag nach Übergriffen auf Ausländer in Chemnitz hat es am Montagabend bei Zusammenstössen rechts- und linksgerichteter Demonstranten nach Polizeiangaben mehrere Verletzte gegeben. Sie hätten zur Behandlung in ein Spital gebracht werden müssen.
sda/dpa/reu/zfo
Demonstranten der rechten Szene zünden Pyrotechnik und schwenken Deutschlandfahnen. (Bild: KEYSTONE/DPA/Jan Woitas)

Demonstranten der rechten Szene zünden Pyrotechnik und schwenken Deutschlandfahnen. (Bild: KEYSTONE/DPA/Jan Woitas)

Kundgebungsteilnehmer der beiden Versammlungslager hätten mit "Feuerwerkskörpern und anderen Gegenständen" geworfen, teilte die Polizei mit. Wegen mehrerer Vermummungen hielt die Polizei den Zug der rechten Bürgerbewegung Pro Chemnitz an, wie sie weiter mitteilte.

Beamte rückten den Angaben zufolge mit Wasserwerfern an. Einige Rechtspopulisten sollen zudem "nach ersten Hinweisen" den Hitlergruss gezeigt haben. Mehrere hundert Rechtspopulisten standen hunderten linken Gegendemonstranten gegenüber, wie ein AFP-Fotograf beobachtete. Die Polizei wollte noch keine Angaben zu den Teilnehmerzahlen machen.

Polizisten stehen in der Innenstadt am Karl-Marx-Monument bei einer Kundgebung der rechten Szene, um ein Aufeinanderprallen von rechten und linken Gruppen zu verhindern. (Bild: KEYSTONE/DPA/Jan Woitas)

Polizisten stehen in der Innenstadt am Karl-Marx-Monument bei einer Kundgebung der rechten Szene, um ein Aufeinanderprallen von rechten und linken Gruppen zu verhindern. (Bild: KEYSTONE/DPA/Jan Woitas)

Gegen 21.30 Uhr erklärte die Polizei die Versammlungen als beendet. Vereinzelt seien Teilnehmer der verschiedenen Kundgebungen aneinander geraten.

Je rund 1000 Teilnehmende

Seit dem frühen Abend hatte die Polizei versucht, ein Aufeinanderprallen von rechten und linken Gruppen zu verhindern. Die rechte Szene hatte am Karl-Marx-Monument eine Kundgebung mit einem Aufzug durch die Innenstadt beantragt. Geschätzt 1000 Menschen hatten sich dort versammelt. Am Monument wurde ein Transparent mit dem Spruch "Deitsch un' frei woll'n mer sei" des Dichters Anton Günther (1876-1937) angebracht.

Gut eine Stunde vorher hatten mehr als 1000 Menschen gegen rechte Gewalt demonstriert, nur wenige Meter vom rechten Lager getrennt. Nach dieser Kundgebung im Stadtpark von Chemnitz drängten Hunderte Demonstranten in Richtung der Kundgebung der rechten Szene auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Dort skandierten sie Parolen wie "Nationalismus raus aus den Köpfen" und "Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda".

Die Gruppierungen haben sich gemäss Polizei mit Feuerwerkskörpern beworfen. (Bild: EPA/FILIP SINGER)

Die Gruppierungen haben sich gemäss Polizei mit Feuerwerkskörpern beworfen. (Bild: EPA/FILIP SINGER)

Die Polizei Sachsen meldete auf Twitter mehrere Verstösse.

Auf Twitter wurde zu der Kundgebung vor dem Karl-Marx-Monument zudem folgendes Video eines Journalisten veröffentlicht. Die Situation drohe zu eskalieren.

Rechte Gruppierungen versammelten sich am Montagabend bei der Karl-Marx-Statue in Chemnitz. (Bild: EPA/FILIP SINGER)

Rechte Gruppierungen versammelten sich am Montagabend bei der Karl-Marx-Statue in Chemnitz. (Bild: EPA/FILIP SINGER)

Kundgebungen nach Tötungsdelikt

Die Kundgebungen folgen auf ein Tötungsdelikt vom Sonntag. Beim blutigen Streit am frühen Sonntagmorgen am Chemnitzer Stadtfest wurden drei Männer zum Teil schwer verletzt. Ein 35-Jähriger erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Alle drei sind laut den Ermittlern Deutsche. Bei dem Streit, dessen Hintergrund noch unklar ist, sollen Messer zum Einsatz gekommen sein. Die Polizei nahm zwei Personen vorübergehend fest.

Nach der Gewalttat hatte sich die Situation in Chemnitz hochgeschaukelt, auch befeuert durch Gerüchte in den sozialen Netzwerken. Nach einer von der AfD organisierten Spontankundgebung mit rund einhundert Teilnehmern zogen am Sonntagnachmittag dann rund 800 Menschen durch die Innenstadt. Dazu aufgerufen hatte eine rechtsextreme Hooligangruppe.

Es kam zu Zusammenstössen mit der Polizei, die zunächst mit der Situation überfordert schien. Auf Videos ist zu sehen, wie Ausländer von Personen aus der Masse heraus attackiert werden. Zu hören sind Rufe wie "Wir sind das Volk", aber auch rechte Parolen wie "Deutsch, sozial, national". Aus Sicherheitsgründen war zuvor das Stadtfest abgebrochen worden.

Haftbefehl gegen Syrer und Iraker

Am Montag erliess ein Haftrichter auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen einen 23-jährigen Syrer und einen 22 Jahre alten Iraker wegen gemeinschaftlichen Totschlags. Sie sollen nach einem Streit mehrfach ohne erkennbaren Grund auf das Opfer eingestochen haben.

Eine Sprecherin der Polizei widersprach Darstellungen, es sei zu der tödlichen Auseinandersetzung zwischen den zwei Migranten und drei Deutschen gekommen, nachdem Frauen von den Asylbewerbern belästigt worden seien. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte, sagte die Sprecherin.

"Bitte beteiligt euch nicht an Spekulationen", appellierte die Chemnitzer Polizei in einem Tweet am Sonntag, offenkundig um fremdenfeindlichen Agitationen den Boden zu entziehen. Die Polizei dementierte zudem Gerüchte, wonach es angeblich einen zweiten Todesfall gegeben habe.

"Kein Platz für Selbstjustiz"

Deutsche Politiker verurteilten die Eskalation scharf. "In Deutschland ist kein Platz für Selbstjustiz, für Gruppen, die auf den Strassen Hass verbreiten wollen, für Intoleranz und für Extremismus", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

"Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft, oder der Versuch, Hass auf den Strassen zu verbreiten, das nehmen wir nicht hin, das hat bei uns in unseren Städten keinen Platz, und das kann ich für die Bundesregierung sagen, dass wir das auf das Schärfste verurteilen", betonte Seibert.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner twitterte: "Ein schrecklicher Mord, dessen Hintergründe unklar sind, wird in Chemnitz aufs Widerlichste für rassistische Ausschreitungen instrumentalisiert."

Auch die rechtspopulistische AfD distanzierte sich von der Gewalt. Sie hatte am Sonntag ebenfalls eine Demonstration in Chemnitz veranstaltet. Diese habe "nichts, aber auch gar nichts, mit den anschliessend stattgefundenen Jagdszenen in der Stadt zu tun" gehabt, erklärte der sächsische Parteichef Jörg Urban.

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