Nach Zugentgleisung in Basel - ICE kam kurz vor Mauer zum Stehen

Die Passagiere im ersten Wagen des am Sonntagabend in Basel entgleisten Zuges hatten viel Glück: Jener Wagen, der quer zwischen zwei Schienenpaaren hing, kam rund zwanzig Meter vor einer Trennmauer zum Stillstand. Die Unfallursache ist noch unklar.

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Mindestens der entgleiste ICE-Wagen wurde beschädigt. (Bild: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)
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Der zwischen den Gleisen mitgeschleifte ICE-Wagen schaufelte Schotter auf die Schienen. (Bild: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)
Nach einer Weichenpassage unweit der Basler Eisenbahnbrücke über den Rhein war der Triebkopf (Lok) des ICE nicht mehr auf dem gleichen Gleis unterwegs wie der Rest des Zuges. Der erste Wagen hing quer dazwischen. Hier steht er nach der Bergung wieder auf den Schienen. (Bild: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)
Der Unfallort liegt an einer intensiv genutzten Verkehrsache: links im Bild die Autobahn A2 in Fahrtrichtung Süd, in der Mitte die beiden Gleise in Richtung St. Jakob-Muttenz-Olten, auf dem Gleisbogen der Bahnabschnitt zum Bahnhof SBB und ganz rechts die A2 nach Norden. (Bild: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)
Dieser erste ICE-Bahnwaggon wurde quer zwischen den beiden Gleisen geschleift. Hier steht er nach der Bergung wieder auf den Schienen. (Bild: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)
SBB-Einsatzleiter Martin Spichale erläutert vor den Medien den Stand der Erkenntnisse zur Entgleisung. (Bild: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)
Just beim Unfallort überqueren die Bahngeleise die vielbefahrene Autobahn A2 Schweiz-Deutschland. Die A2 wurde von der Zugentgleisung nicht tangiert. (Bild: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)
Zwanzig Meter vor dieser Trennwand zwischen den Gleisen kam der Unglückszug zum Stillstand. Im Hintergrund ein Einsatzzug der SBB - bis etwa dorthin war die ICE-Lok gekommen. Der Schotterhaufen im Vordergrund markiert den Ort, wo der erste quer Wagen quer zwischen den Gleisen hing. (Bild: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)
Buchstäblich in letzter Minute hielt der ICE-Zug an, bevor der entgleiste Wagen, der quer zwischen den Gleisen mitgeschleift wurde, in die Tunnel-Trennmauer krachte. (Bild: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)

Mindestens der entgleiste ICE-Wagen wurde beschädigt. (Bild: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)

(sda)

Das Malheur passierte, als der ICE aus Berlin in Richtung Interlaken den Badischen Bahnhof in Basel verlassen hatte: Nach einer Weiche auf der Höhe der Breite-Strassenkreuzung fuhr die Lok auf dem rechten von zwei Gleisen, der Rest des Zuges aber auf dem linken.

Der erste Wagen hing dabei quer zwischen den Geleisen und wurde so noch gut achthundert Meter mitgeschleift. Die Lok erreichte gerade den Tunnel zwischen dem offenen Abschnitt nach der Rheinbrücke und dem Bahnhof SBB, als sie zum Stillstand kam.

Quer vor Betonmauer

Rund zwanzig Meter weiter im Tunnel werden die beiden Gleise durch eine Betonwand getrennt. SBB-Einsatzleiter Martin Spichale sprach am Montag vor Ort vor den Medien von «Glück im Unglück, dass nicht mehr passiert ist».

Weiterhin nichts sagen konnte Spichale zur Unfallursache; diese werde weiterhin untersucht. Ob die passierte Weiche mit dem Unfall zu tun hat, könne man derzeit noch nicht sagen. Der deutsche ICE sei jedenfalls «kein Pannenzug», sagte er auf eine Journalistenfrage - schon Ende 2017 war in Basel ein ICE entgleist, vor dem Bahnhof SBB. Damals vermutete man eine Weiche als Ursache.

Unklar war auch, mit welcher Geschwindigkeit der Zug am Sonntagabend um 20.50 Uhr unterwegs war. Nach dem Unfall blieb der Abschnitt in beiden Richtungen gesperrt, und die Züge zwischen den beiden Basler Bahnhöfen fielen aus. Passagiere mussten das Tram oder den Bus nehmen.

Rasch wieder aufgegleist

Bis am Montagmorgen gelang es, die Zugteile zu trennen und mit Hilfe eines Schienenkrans den entgleisten Teil wieder auf die Schienen zu stellen. Der havarierte Zug soll noch am Montag zum Bahnhof geschoben werden. Als erstes soll dann das westliche der beiden Geleise wieder in Betrieb genommen werden, sobald die Experten grünes Licht geben.

Allfällige Schäden am Zug und den Anlagen untersuchen Spezialisten der SBB und der Deutschen Bahn. Laut Spichale wurden Schienen und Sicherungsanlagen beschädigt. Die Oberleitung blieb hingegen unversehrt. Die Schwere der Schäden war zunächst nicht klar. Der Abschnitt bleibe wohl bis mindestens Dienstag gesperrt.

Nicht betroffen ist die direkte Nord-Süd-Eisenbahnachse, die just vor der Unfallstelle abzweigt und auf der normalerweise primär Güterzüge verkehren. Entsprechend wurde geprüft, ob dieser Ast für Personenzüge benutzt werden kann - dabei entfiele indes ein Halt im Bahnhof SBB. Man müsste anderswo umsteigen.

Rund 240 Fahrgäste waren zum Unfallzeitpunkt gemäss der DB an Bord des Zuges. Diese wurden laut Spichale geordnet aus dem havarierten Zug evakuiert und mittels eines Ersatzzuges zum Bahnhof SBB gebracht. Von Verletzten ist nichts bekannt. Laut der Basler Polizei ging eine evakuierte Person im Bahnhof zur Abklärung zur Sanität.