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Facebook erneut unter Druck: PR-Kampagne sollte Kritiker in ein schlechtes Licht rücken

Facebook versucht, einen drohenden neuen Skandal um dubiöse PR-Methoden schnell einzudämmen. Gründer und Chef Mark Zuckerberg versichert, er sei ahnungslos gewesen. Eine PR-Firma wurde gefeuert. Aber es kommen Fragen auf, ob Zuckerberg den Überblick verliert.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg wusste laut eigenen Angaben nichts von einer Kampagne gegen Kritiker. (Bild: KEYSTONE/EPA/ETIENNE LAURENT)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg wusste laut eigenen Angaben nichts von einer Kampagne gegen Kritiker. (Bild: KEYSTONE/EPA/ETIENNE LAURENT)

(sda/dpa)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat nach eigenen Angaben erst aus einem Zeitungsbericht erfahren, dass das Online-Netzwerk eine PR-Firma beschäftigte, die Kritiker hinterrücks in ein schlechtes Licht rücken sollte.

«Jemand aus dem Kommunikationsteam muss sie angeheuert haben», sagte Zuckerberg am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Auch Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, die sich bei Facebook viel mit politischen Fragen befasst, habe davon nichts gewusst.

Er werde weiter mit Sandberg zusammenarbeiten, sagte Zuckerberg und entkräftete damit Spekulationen, das PR-Debakel könne sie ihren Job kosten. Sie mache «insgesamt» gute Arbeit.

Kritik zurückgewiesen

Facebook wolle jetzt Beziehungen zu PR-Agenturen auf den Prüfstand stellen, um mögliche weitere ähnliche Fälle herauszufiltern, sagte Zuckerberg. Auch wenn andere zu solchen Methoden griffen, «das ist nicht die Art, wie ich das Unternehmen führen will», versicherte der Facebook-Gründer.

Zuckerberg wies Kritik daran zurück, dass diese Aktivitäten an ihm vorbeigegangen seien. In einer Firma mit der Grösse von Facebook werde es immer passieren, dass Mitarbeiter etwas machten, wovon er nichts wisse. Auf die Frage, ob er nicht den Vorsitz im Verwaltungsrat abgeben sollte, machte Zuckerberg deutlich, dass er auch das Aufsichtsgremium weiter führen wolle.

Facebook hatte nach einem Bericht der «New York Times» die Zusammenarbeit mit der PR-Firma Definers eingeräumt, die Journalisten ermutigte, sich die Finanzierung der Organisation «Freedom from Facebook» (Freiheit von Facebook) genauer anzusehen.

Dabei sei angedeutet worden, dass unter ihren Geldgebern der Finanzier und Mäzen George Soros sei, der ein häufiges Angriffsziel für Konservative wie US-Präsident Donald Trump - aber auch für antisemitische Verschwörungstheorien - ist.

Geschäftsbeziehung beendet

«Die Absicht war, zu demonstrieren, dass es nicht einfach nur eine spontane Basiskampagne war, wie von ihr behauptet, sondern sie von einem bekannten Kritiker unseres Unternehmens unterstützt wurde», verteidigte sich Facebook. Die Geschäftsbeziehung zu Definers sei «vergangene Nacht» beendet worden, hiess es zugleich.

Soros' Stiftung Open Society Foundations wies eine Verbindung zu «Freedom from Facebook» zurück. Sie habe zwar zwei Mitglieder-Organisationen der Koalition unterstützt, dies habe aber keinen Bezug zu «Freedom from Facebook» gehabt, sagte Präsident Patrick Gaspard.

Er verurteilte die Vorgehensweise von Facebook in einem offenen Brief an Sandberg: «Ihre Methoden bedrohen die Werte, auf denen unsere Demokratie beruht.»

Neues Gremium für Löschungen

Zuckerberg kündigte in der Telefonkonferenz für kommendes Jahr auch ein neues unabhängiges Gremium an, an das sich Nutzer wenden können, die mit der Löschung ihrer Inhalte durch Facebook nicht einverstanden sind. Details dazu gab es zunächst nicht.

Zuckerberg versicherte zudem, dass die Facebook-Führung nicht versucht habe, die Untersuchungen zu russischen Propaganda-Kampagnen beim Online-Netzwerk im Umfeld der US-Präsidentenwahl 2016 zu bremsen. Man habe zwar zu langsam darauf reagiert, aber der Vorwurf, Facebook sei nicht an der Wahrheit interessiert gewesen, sei «einfach falsch».

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