Trotz stabiler Lohnstruktur arbeiten über 350'000 Angestellte in Tieflohnjobs

2018 lag der Medianlohn einer Vollzeitstelle in der Schweiz laut Bund bei 6538 Franken pro Monat. Wegen Corona fordert der Schweizerische Gewerkschaftsbund nun 100 Prozent Lohnersatz für die tiefsten Löhne.

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Die Sicherheitsbranche fällt in der Lohnstrukturerhebung negativ auf. (Symbolbild)

Die Sicherheitsbranche fällt in der Lohnstrukturerhebung negativ auf. (Symbolbild)

Keystone

(sku) Die 10 Prozent der Arbeitnehmenden mit den tiefsten Löhnen verdienten weniger als 4302 Franken pro Monat, während die am besten bezahlten 10 Prozent einen Lohn von über 11'698 Franken erhielten. Dies zeigen am Dienstag publizierte Ergebnisse der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS).

In Wirtschaftszweigen mit hoher Wertschöpfung wie den Informationstechnologien und Informationsdienstleistungen lagen die Löhne laut BFS deutlich über dem Medianlohn. Am unteren Ende der Lohnskala findet sich etwa die Herstellung von Textilien und Kleidung. Das Gefälle zwischen dem oberen und dem unteren Ende der Lohnpyramide hat sich laut dem BFS zwischen 2008 und 2018 kaum verändert. Zudem zeigt die Erhebung, dass vorletztes Jahr rund ein Drittel der Arbeitnehmenden in der Schweiz Boni erhalten hat.

Der Arbeitnehmerdachverband Travail Suisse kritisiert am Dienstag in einer Mitteilung, dass sich die kontinuierliche Zunahme dieser jährlich ausbezahlten Boni zum Nachteil der Frauen entwickle. Die Bonihöhe sei in der Regel bei männlichen Mitarbeitenden doppelt so hoch wie bei weiblichen. Trotzdem nimmt die Lohnungleichheit laut der Lohnstrukturerhebung des BFS allmählich ab.

Zahl der Tieflohnstellen ist angestiegen

Die Zahl der Tieflohnstellen – sprich: Vollzeitstellen mit einem monatlichen Bruttolohn von weniger als 4359 Franken – ist 2018 leicht auf insgesamt 353'000 angestiegen. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund wiederum sieht die Lohnentwicklung aus diesem Grund ungenügend, teilt er am Dienstag mit. Vor allem die nur teilweise durch Mindestlöhne geschützte Sicherheitsbranche aber auch die Entschädigungen der Post- und Kurierdienste fielen negativ auf.

Die Lösung der Lohnprobleme sieht der SGB in einer Kaufkraftoffensive. Weil sich die Kaufkraftprobleme gerade im Tieflohnbereich in der Coronakrise nun noch einmal verschärft hätten, fordert der Gewerkschaftsbund für Arbeitnehmende mit tieferen Löhnen im Falle von Kurzarbeit einen Lohnersatz von 100 Prozent.