Tourismus

Keine Knebelverträge: Hiesige Hotels dürfen Buchungsportale unterbieten

Hotels dürfen in Zukunft günstigere Preise festlegen als auf Buchungsplattformen wie Booking. Damit setzt der Bundesrat einen Auftrag des Parlaments um.

Dario Pollice und Stefan Ehrbar
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Eine Gesetzesrevision verspricht bessere Aussichten für Hoteliers: Blick auf das Hotel Montana in Luzern.

Eine Gesetzesrevision verspricht bessere Aussichten für Hoteliers: Blick auf das Hotel Montana in Luzern.

Bild: Nadia Schärli (12. Juni 2019)

Ein Hotelzimmer zu buchen, ist für viele gleichbedeutend mit dem Besuch eines Buchungsportals wie Booking.com oder Hotels.com. Dagegen sprach bisher kaum etwas: Günstiger war die Unterkunft auch auf den Internetseiten der Hotels selbst jeweils nicht zu kriegen. Die grossen Portale setzen das mit sogenannten Preisbindungsklauseln durch. Wenn ein Hotel seine Zimmer auch auf den Buchungsportalen anbietet, darf es dort keine höheren Tarife verlangen als auf der eigenen Internetseite. Für Hoteliers gibt es kaum eine Alternative: Angesichts ihrer Marktmacht führt an den grossen Portalen kein Weg vorbei.

Das ändert sich nun. Der Bundesrat hat gestern eine entsprechende Gesetzesrevision verabschiedet, wie das Wirtschaftsdepartement (WBF) mitteilte. Sie sieht ein Verbot von Preisbindungsklauseln vor. Hotels dürfen damit auf den eigenen Internetseiten günstigere Tarife anbieten als auf den Portalen. Das Verbot soll in einem neuen Artikel im Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verankert werden. Weil der neue Passus zivilrechtlicher Natur ist, beinhaltet er keine strafrechtliche Sanktionierung. Hotels können sich aber mittels Klagen zur Wehr setzen.

In Nachbarländern schon länger verboten

Die Revision geht auf eine Motion des Solothurner CVP-Ständerats Pirmin Bischof zurück, welche das Parlament 2017 angenommen hatte. National- und Ständerat waren der Ansicht, dass die Buchungsplattformen mit solchen Klauseln den Wettbewerb behindern. Es sei nicht verständlich, dass die Hoteliers hohe Vermittlungskommissionen an die Portale bezahlen müssten und erst noch in ihrer Preispolitik eingeschränkt würden, argumentierten die Befürworter des Verbots.

Im Parlament hielten verschiedene Redner auch fest, dass bereits vier grosse Nachbarländer der Schweiz die engen Preisparitätsklauseln verboten hätten oder im Begriff seien, dies zu tun. Dadurch erhielten die ausländischen Konkurrenten der Hotels hierzulande einen Vorteil. Die Wettbewerbskommission hatte sogenannte «weite Paritätsklauseln» schon 2015 verboten. Seither dürfen Hoteliers bei Reservationen per Telefon tiefere Preise anbieten und zwischen den verschiedenen Buchungsportalen differenzieren, indem sie je nach Plattform unterschiedliche Preise anbieten. In der Praxis änderte das allerdings kaum etwas, denn die sogenannten «engen Paritätsklauseln» blieben erlaubt. Diese ermöglichen es den Plattformen, die Hotels zu verpflichten, keine tieferen Preise auf der eigenen Internetseite anzubieten.