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Die Schweizer Industrie bekennt Farbe: «Wir tragen das Exportverbot mit»

Die Schweizer Industrie hat ein sehr erfolgreiches Jahr hinter sich, der Krieg in der Ukraine sorgt für neue Unsicherheiten.

Dario Pollice und Florence Vuichard
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2021 war ein positives Jahr für die MEM-Industrie. Doch der Konflikt in der Ukraine könnte den Aufschwung abbremsen. (Symbolbild)

2021 war ein positives Jahr für die MEM-Industrie. Doch der Konflikt in der Ukraine könnte den Aufschwung abbremsen. (Symbolbild)

Keystone

Es ist eine Achterbahnfahrt, welche die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie hinter sich hat: Nach dem «katastrophalen» Coronajahr 2020 sei es wieder steil aufwärtsgegangen, sagte Direktor Stefan Brupbacher am Montag anlässlich der Jahrespressekonferenz des Branchenverbands Swissmem. In der Tat: Im vergangenen Jahr stiegen die Auftragseingänge um 26,5 Prozent, die Umsätze um 10,4 Prozent und die Exporte um 12,7 Prozent. Die Umsätze und Exporte hätten sich gemäss Swissmem ohne die Schwierigkeiten bei den Lieferketten noch besser entwickelt.

Die Exporte kletterten im vergangenen Jahr auf 68,5 Milliarden Franken, womit die Branche wieder ihr Vor-Covid-Niveau erreicht hat. Die Erholung ist geografisch breit abgestützt, alle wichtigen Märkte hätten sich positiv entwickelt. Augenfällig ist jedoch der Einbruch von mehr als 15 Prozent bei den Exporten nach Grossbritannien. Hier geht Swissmem-Direktor Brupbacher davon aus, dass sich dies nicht so schnell wieder ändern werde und mit den erschwerten Einfuhrbedingungen im Nachgang von Brexit zu erklären sei.

Starker Franken, hohe Rohstoffpreise

Gemäss dem Branchenverband sind die Erwartungen der Industriefirmen für die kommenden zwölf Monate grundsätzlich positiv. Allerdings könnte der Krieg in der Ukraine den Aufschwung bremsen. «Dieser Krieg schafft neue Unsicherheiten, welche die Investitionsgüternachfrage abschwächen könnten», hielt Swissmem-Präsident Martin Hirzel fest.

Zudem befürchtet der Verband eine Flucht in den Schweizer Franken und eine starke Aufwertung gegenüber dem Euro sowie höhere Preise von Energie und Rohstoffen. Wobei Letzteres alle Industriefirmen trifft, nicht nur jene in der Schweiz. Folglich sollte sich dadurch für die Schweizer Industriefirmen kein zusätzlicher Wettbewerbsnachteil ergeben, wie Hirzel anfügte.

Exportanteil nach Russland und die Ukraine beläuft sich auf 1,3 Prozent

Die seit 2014 bestehenden und neu getroffenen Sanktionen gegenüber Russland treffen auch die Schweizer Industrie. Die Exporte nach Russland sind laut Hirzel bereits aufgrund der «extrem restriktiven Politik der Schweiz» seit 2014 zurückgegangen. Die neu hinzukommenden Sanktionen würden de facto einem «Exportverbot» entsprechen, erklärte der Swissmem-Präsident und fügte sofort an: «Wir tragen das mit.»

Kostenpunkt dieses Exportverbots für die hiesige Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie: 900 Millionen Franken. Auf so viel beliefen sich im vergangenen Jahr gemäss Hirzel die Exporte nach Russland und die Ukraine. Das entspreche 1,3 Prozent der gesamten Exporte der Branche.

Sorge um EU-Forschungsprogramm

Sorgen bereiten der Schweizer Industrie auch die Handelskonflikte mit China sowie der Ausschluss der Schweiz vom EU-Forschungsprogramm «Horizon Europe». Dieses sei essenziell für die hiesige Industrie, betonte Hirzel. Der Bundesrat soll deshalb möglichst rasch eine Assoziierung an das Programm anstreben und wirksame Ersatz- und Ergänzungsmassnahmen beschliessen, fordert Swissmem.