Strukturwandel
Die Schweiz wird immer mehr zum Pharmaland

Vier von zehn Franken erwirtschaftet die Schweizer Industrie in nur zwei Branchen: in der Uhren- und Elektronikindustrie und in Pharma. Das zeigt eine Studie der Denkfabrik Avenir Suisse.

Peter Walthard
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Totgesagte leben länger: Im Jurabogen ist die Beschäftigung im Industriesektor wieder stark angestiegen. (Archivbild)

Totgesagte leben länger: Im Jurabogen ist die Beschäftigung im Industriesektor wieder stark angestiegen. (Archivbild)

Keystone

Die in der Vergangenheit befürchtete Deindustrialisierung der Schweiz hat so nicht stattgefunden. Dies ist das Fazit einer Analyse, welche die Denkfabrik Avenir Suisse am Freitag der Öffentlichkeit vorgestellt hat. In den letzten 25 Jahren sei die Zahl der Beschäftigten in der Industrie mit 730'000 konstant geblieben. Im gleichen Zeitraum hätten sich die Exporte verdoppelt, und die Wertschöpfung sei deutlich gestiegen, schreibt Avenir Suisse in einer Mitteilung zur Studie.

Dabei zeichne sich eine Spezialisierung auf eine kleine Gruppe von Industriesektoren mit hoher Wertschöpfung ab: Anstelle der Chemie tritt die Pharma, aus der Uhrmacherei geht eine hochspezialisierte Eletronik- und Uhrenindustrie hervor. Vier von zehn durch die Industrie erwirtschafteten Franken seien 2019 in diesen beiden Branchen verdient worden, schreibt Avenir Suisse. Ihr Anteil sei damit doppelt so hoch wie 1997.

Besonders deutlich zeige sich diese Entwicklung am Standort Basel. Dort seien in den letzten zehn Jahren 2500 Arbeitsplätze in der chemischen Industrie verschwunden, die Pharma habe aber 5000 neue Jobs geschaffen.

Im Jurabogen macht die Industrie wieder Boden gut

Eine eigentliche Reindustrialisierung beobachtet Avenir Suisse im Jurabogen. Hier übersteige das Wachstum im Industriesektor jenes im Dienstleistungsbereich, und dies sowohl in absoluten als auch in relativen Zahlen. So wuchs die Beschäftigung im Industriesektor im Kanton Jura von 2005 bis 2018 um 27 Prozent, im Kanton Neuenburg um 25 Prozent. Demgegenüber steht ein massiver Einbruch in der Papier- und Druckindustrie, vor allem im Raum Zürich: Hier gingen innerhalb von 13 Jahren 5000 Arbeitsplätze verloren, ein Viertel des gesamtschweizerischen Rückgangs.

Im Gegensatz zu anderen Industrieländern habe die Schweiz auf massive staatliche Eingriffe zur Strukturerhaltung verzichtet. Die Analyse zeige, dass diese Strategie erfolgreich gewesen sei, so die Konklusion von Avenir Suisse. Die Schweiz tue gut daran, den Strukturwandel zu nutzen anstatt ihn zu bekämpfen. Entscheidend hierfür seien gute Handelsbeziehungen mit der EU und weiteren Ländern sowie der Zugang zu gut qualifizierten Arbeitskräften.

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