SRG verschiebt nach Reklamationen Umstellung auf Ultra HD und bereitet Abschaltung des klassischen Teletext vor

Die SRG wollte ab 2021 die Voraussetzungen für die neue Technologie schaffen. Nun verschiebt sie die Umstellung um drei Jahre. Gleichzeitig will sie einen neuen Standard für den Teletext etablieren.

Stefan Ehrbar
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Ultra HD ermöglicht eine höhere Bildqualität. Auch die SRG will umstellen.

Ultra HD ermöglicht eine höhere Bildqualität. Auch die SRG will umstellen.

Keystone

Schärfere Bilder, mehr Kontrast und echtere Farben: Das verspricht der neue Fernsehstandard Ultra HD (UHD). Auch die SRG will ihre Sender wie SRF oder RTS in der neuen Technologie verbreiten. Zu diesem Zweck plante sie, 2021 den neuen Verschlüsselungsstandard HEVC/H265 für ihr Satellitensignal einzuführen. Das hätte die Verbreitung von UHD-Signalen über Satellit möglich gemacht. Allerdings hätten damit auch Zehntausende Zuschauer, die über Satellit fernsehen, ein zusätzliches Gerät kaufen müssen. Denn noch sind längst nicht alle Fernsehgeräte mit H265 kompatibel (dieses Portal berichtete). Die Ankündigung der Umstellung sorgte denn auch für zahlreiche Reaktionen.

Nun rudert die SRG zurück. Die Umstellung soll erst im Lauf des Jahres 2024 stattfinden. Das gibt die SRG in ihrem neuesten technischen Newsletter bekannt. «Die Verschiebung der Neucodierung erfolgt auch aus Rücksicht auf das Publikum, das die SRG-Programme via Satellit empfängt», schreiben die Verantwortlichen. Der Entscheid habe zur Folge, dass diese vorerst keine Zusatz- oder Neugeräte kaufen müssten. Die SRG fordert den Handel in ihrem Schreiben aber auf, ab sofort nur noch Geräte zu verkaufen, die den neuen Standard unterstützen.

Neuer UHD-Sender für Kabelnetze

Die SRG führt mehrere Gründe für den Entscheid an. Die Schweizer Elektronikgerätebranche habe signalisiert, dass sie vor allem bei den Set-Top-Boxen noch nicht bereit sei für die Umstellung, so die SRG. Hinzu komme, dass wegen des Coronavirus viele Grossveranstaltungen, die in UHD produziert werden, verschoben oder abgesagt worden seien. Zum Entschluss beigetragen haben dürften auch die Reaktionen der Zuschauer. Nach der Ankündigung der Umstellung in dieser Zeitung lief die Telefonzentrale der SRG heiss.

Ganz auf UHD verzichten müssen die Zuschauer allerdings nicht: Ab nächstem Jahr will die SRG einen neuen Eventkanal betreiben, auf dem grosse Kultur- und Sportevents in UHD-Qualität ausgestrahlt werden. Dieser Kanal wird nicht über Satellit verbreitet, sondern kann von Betreibern von Kabel- und IPTV-Netzen wie UPC, Swisscom oder Sunrise bezogen und an die Kunden weitergegeben werden. Zuerst müssen allerdings die Verhandlungen zum Abschluss gebracht werden.

Teletext wird durch HbbTV abgelöst

Es bleibt nicht die einzige Neuerung bei der SRG. «Früher oder später» soll auch der Teletext durch die Technologie HbbTV abgelöst werden, wird Damien Corti, der Chief Technology Officer der SRG, zitiert. Im Gegensatz zum bisherigen Teletext ermöglicht HbbTV neben den klassischen Funktionen des Teletext auch Video-on-Demand-Angebote, Programmführer oder zusätzliche Livestreams. HbbTV sei heute in den meisten Empfangsgeräten eingebaut, so Corti. «Das wollen wir nutzen.»

Zudem schaltet die SRG ab nächstem Jahr einen ihrer Satelliten-Transponder ab. Damit kann sie Geld sparen. Die bisherigen Sender werden weiterhin über Satellit verbreitet, allerdings mit einer reduzierten Datenrate. Die Bild- und Tonqualität bleibe gleich, verspricht die SRG. Wer über Satellit fernsieht, muss nach der Umstellung im nächsten Jahr einen Sendersuchlauf durchführen, um die SRG-Programme weiterhin sehen zu können.

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