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Stellenabbau unvermeidbar: Bei der Post-Tochter Epsilon droht ein Kahlschlag

Die Post-Tochter Epsilon schreibt Verluste. Nun droht der Sparhammer. Der Mutterkonzern möchte Epsilon in die bestehenden Zustellorganisationen integrieren. Ein Stellenausbau sei unvermeidbar, räumt die Post ein.

Reto Wattenhofer
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Für Kritik sorgte die Ankündigung eines neuen Lohnmodells bei Epsilon. Der Stundenlohn beträgt noch 17,44 Franken. (Archivbild)

Für Kritik sorgte die Ankündigung eines neuen Lohnmodells bei Epsilon. Der Stundenlohn beträgt noch 17,44 Franken. (Archivbild)

Keystone

In der Zeitungs- und Werbebranche hat sich der Kostendruck seit Ausbruch der Coronakrise nochmals verschärft. Die Post stellte letztes Jahr 14 Prozent weniger Werbesendungen zu als noch 2019. Das bekommt auch die defizitäre Post-Tochter Epsilon in Genf zu spüren, die im Bereich der Frühzustellung von Zeitungen und in der Zustellung von Werbung tätig ist.

Nun zieht die Post die Reissleine. Wie sie am Dienstag bekannt gab, möchte sie Epsilon bis nächstes Jahr in die beiden bestehenden Zustellorganisationen Presto-Vertriebs AG und Direkt Mail Company integrieren. Trotz allen Bemühungen komme Epsilon «auf keinen grünen Zweig», begründet die Post den Schritt. Dadurch würden Administrativ- und Strukturkosten gespart und die Zustellarbeitsplätze gesichert.

Betroffen von der Intergration sind 580 Mitarbeitende. Die Post wird nach eigenen Angaben alles daran setzen, dass möglichst alle Angestellten von Epsilon einen neuen Vertrag erhalten. Bei den Führungsfunktionen und der Administration sei ein Stellenabbau «wahrscheinlich nicht zu vermeiden», räumt die Post ein. Das Unternehmen möchte noch dieses Jahr das Konsultationsverfahren starten. Dazu sei sie auch mit den Sozialpartnern im Austausch.

«Skandalöser Tiefstlohn»

Es ist nicht der erste Rückschlag für die Werbeverträgerinnen und Werbeverträger der Epsilon AG. Im Juni war bekannt geworden, dass bei der Post-Tochter ein neues Lohnsystem eingeführt wird. Konkret sieht dieses einen Stundenlohn von 17,44 Franken vor. Die Gewerkschaft Syndicom sprach von einem «skandalösen Tiefstlohn». Zeitungsausträger müssten teilweise Lohneinbussen von monatlich 600 Franken hinnehmen.

Bereits in Vergangenheit wurde Epsilon gebüsst, weil es sich nicht an die Mindestlöhne hielt. Tatsächlich brummte die Aufsichtsbehörde Postcom dem Unternehmen bereits letztes Jahr eine Busse von 180'000 Franken auf. Epsilon hatte sich nicht an den im Postsektor üblichen Mindestlohn von 18,27 Franken pro Stunde gehalten.

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