Corona-Virus drückt auf SBB-Geschäft – zehn Prozent weniger Pendler und finanzieller Millionen-Schaden

Jeden Tag nutzten im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Reisende die SBB. Das ist ein Rekord. Doch die Pünktlichkeit leidet. Auch das Corona-Virus macht der SBB zu schaffen.

Stefan Ehrbar
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Zurzeit kämpft die Bahn mit den Auswirkungen des Corona-Virus. Wie SBB-Chef Andreas Meyer an der Jahresmedienkonferenz am Dienstag in Bern sagte, verzeichnet die Bahn auf den Zügen nach Italien zurzeit einen Einbruch bei den Passagieren von 90 Prozent. In Richtung Frankreich betrage das Minus 60 Prozent. Im Schweizer Fernverkehr seien etwa 10 Prozent weniger Pendler unterwegs als üblich, an den Bahnhöfen würden 10 bis 20 Prozent weniger Passagiere gezählt. Die Auswirkungen dürften bisher einen Schaden in der Höhe eines zweistelligen Millionenbereich verursacht haben, so Meyer. Eine Prognose zum weiteren Verlauf sei unmöglich.

Die SBB hat im vergangenen Jahr so viele Passagiere transportiert wie nie. Das gab sie an ihrer Jahresmedienkonferenz in Bern bekannt. Mit täglich 1,3 Millionen Reisenden nutzten 6 Prozent mehr Pendler als im Jahr zuvor die Bahn. Das schlägt sich auch in der Zahl der verkauften Billette nieder: 124 Millionen wurden letztes Jahr verkauft. Das sind 15 Prozent mehr als 2018. Erstmals wurde mehr als die Hälfe der Tickets über digitale Kanäle wie die App oder die Internetseite verkauft, der Absatz an Automaten und Schaltern ist weiter gesunken. Neun von zehn Bahnreisenden kaufen ihr Billett mittlerweile selbst.

SBB-CEO Andreas Meyer an der Jahresmedienkonferenz.

SBB-CEO Andreas Meyer an der Jahresmedienkonferenz.

Anthony Anex / KEYSTONE

Einen Rekord vermeldet die SBB auch bei der Zahl der GAs und Halbtax-Abonnemente. Zum vierten Mal in Folge habe es letztes Jahr keine Preiserhöhungen gegeben. Zudem habe die SBB Sparbillette mit einer Rabattsumme von 120 Millionen Franken verkauft. Das macht sich im Ergebnis bemerkbar. Das Ergebnis des Personenverkehr sank von 241 auf 215 Millionen Franken, obwohl die Verkehrserträge um 2,2 Prozent auf 3,6 Milliarden Franken zunahmen. Insgesamt sank das Konzernergebnis der SBB um 18,5 Prozent auf 463 Millionen Franken.

Sparbillette werden auch in diesem Jahr angeboten. Die SBB hat sich mit dem Preisüberwacher darauf geeinigt, Sparbillette im Umfang von mindestens 100 Millionen Franken zu verkaufen. Damit soll ein laut Preisüberwacher «unangemessen hoher Gewinn» im SBB-Fernverkehr kompensiert werden. Kritik kommt hingegen von der Stiftung für Konsumentenschutz: Sie fordert statt des «undurchsichtigen System» der Sparbillette eine generelle Reduktion der Ticketpreise.

Nachfrage auf Zügen ins Ausland steigt stark

Nicht zufrieden ist die SBB auch mit der Pünktlichkeit. Sie sank um 0,6 Prozentpunkte auf 89,5 Prozent und sei damit nicht zufriedenstellend, schreibt die Bahn. Hauptursachen seien die steigende Nachfrage, der angespannte Fahrplan und viele Baustellen für den Unterhalt und Ausbau des Netz. Andererseits hätten Störungen am Rollmaterial und fehlende Fahrzeuge ihren Teil beigetragen. So hätten etwa die Verzögerungen bei den FV-Dosto, den neuen Fernverkehrs-Doppelstockzügen von Hersteller Bombardier, Auswirkungen gehabt. Hinzu kämen Fehler bei der Einsatz- und Ausbildungsplanung des Lokpersonal.

Um die Pünktlichkeit zu verbessern, will die SBB nun mehr Reserven im Fahrplan schaffen und die Planung und Kundeninformation verbessern. Ausgebaut werden soll auch das Angebot im internationalen Personenverkehr. Ein Ziel ist es etwa, dass Billette ins Ausland leichter online gekauft werden können.

Die Nachfrage nach Bahnreisen ins Ausland hat 2019 denn auch um 7 Prozent zugenommen - trotz Streik in Frankreich Ende Jahr. Die SBB rechnet damit, dass dieser Trend anhält. So seien auf den Fahrplanwechsel Ende 2019 die Kapazitäten nach Deutschland, Frankreich und Italien etwa mit neuen Zügen ausgebaut worden. 

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