Ranking
Die 300 Reichsten in der Schweiz werden nicht reicher: Das sind die Gründe

Die Schweiz bleibt ein Land der Superreichen – selbst wenn das Vermögen der 300 Reichsten im letzten Jahr nicht weiter angewachsen ist. Zusammen besitzen sie 821 Milliarden Franken. Das ist mehr als hierzulande in einem Jahr erwirtschaftet wird.

Reto Wattenhofer
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Rang 1, Vermögen: 54 bis 55 Milliarden: Ingvar Kamprad legte den Grundstein für das Milliardenvermögen seiner Söhne.
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Rang 2, Vermögen 38 bis 39 Milliarden: Der Luxusgüterhersteller Chanel brachte Gérard Wertheimer zu Reichtum.
Rang 3, Vermögen 30 bis 31 Milliarden: Die Familien Hoffmann, Oeri und Duschmale besitzen den Pharmakonzern Roche. Im Bild: Verwaltungsrat André Hoffmann.
Rang 4, 23 bis 24 Milliarden: Der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne hat letztes Jahr Vermögen verloren.
Rang 5, 22 bis 23 Milliarden: Die brasilianische Bankiersfamilie Safra ist in der Westschweiz beheimatet.
Rang 6, 19 bis 20 Milliarden: Patron der Reederei MSC, Gianluigi Aponte (links), in illustrer Begleitung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
Rang 7, 16 bis 17 Milliarden: Die Familie von Ernesto Bertarelli ist im Pharma- und Biotechbereich tätig. Bekannt ist er auch als leidenschaftlicher Segler.
Rang 8, 16 bis 17 Milliarden: Der brasilianisch-schweizerische Doppelbürger Jorge Lemann mit seiner Frau Susanna.
Rang 9, 15 bis 16 Milliarden: Der gebürtige Genfer Guillaume Pousaz lebt in Dubai und hat sein Vermögen mit Finanzdienstleistungen gemacht.
Rang 10, 14 bis 15 Milliarden: Vater und Tochter vereint: Die Familie Blocher besitzt etwa die Ems-Chemie. (Archivbild)

Rang 1, Vermögen: 54 bis 55 Milliarden: Ingvar Kamprad legte den Grundstein für das Milliardenvermögen seiner Söhne.

Keystone

Die Zahl ist gewaltig: Die 300 Reichsten der Schweiz besitzen knapp 821 Milliarden Franken. Das zeigt das neue Ranking, das die «Bilanz» am Donnerstagabend veröffentlicht hat. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz belief sich 2021 gemäss Bundesamt für Statistik auf 731 Milliarden Franken.

Trotzdem bleibt den Reichsten ein Wermutstropfen. Sie sind nicht reicher geworden. Noch im Vorjahr war ihr Vermögen gesamthaft um 115 Milliarden Franken gestiegen und hatte einen Rekord (821,8 Milliarden) erreicht.

Strudel an den Aktienmärkten

Seither bekamen die Reichen vor allem die sinkenden Kurse an den Finanzmärkten zu spüren. Federn lassen mussten hauptsächlich jene, die ihr Vermögen vor allem in an der Börse kotierten Unternehmen bündeln. Betroffen war insbesondere der Industrie- und Technologiebereich.

Zu den Gewinnern zählt laut Mitteilung das absolute Luxussegment wie auch das Frachtgeschäft auf See. Letzteres boomt seit der Coronapandemie. So erstaunt es nicht, dass die Besitzerfamilie Aponte der Reederei MSC ihr Vermögen um 11 Milliarden mehr als verdoppeln konnte.

Alleine die zehn Reichsten besitzen zusammen 252 Milliarden Franken. An der Spitze stehen seit 21 Jahren die im Waadtland aufgewachsenen Brüder Jonas, Peter und Mathias Kamprad. Sie leiten seit dem Tod ihres Vaters Ingvar das Möbelimperium Ikea, dessen Wert auf 55 Milliarden geschätzt wird.

Familie Blocher zählt zu den Verlierern

Dahinter folgt neu Gérald Wertheimer, Mitbesitzer des Modeimperiums Chanel, mit 38 bis 39 Milliarden. Einen Rang verloren haben die Familien Hoffmann, Oeri und Duschmalé (Pharma), deren Vermögen 30 bis 31 Milliarden beträgt. Auf dem vierten Platz folgt Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne (23 bis 24 Milliarden).

Der in der Gemeinde Feusisberg SZ wohnhafte Kühne zählt mit einem Minus von 6 Milliarden zu den grössten Verlierern im Ranking. «Ärmer» wurde auch die Familie Blocher mit ihren Firmen wie Ems-Chemie und Dottikon. Ihr Vermögen sinkt um 5 auf 14 bis 15 Milliarden, was noch für Platz 10 reicht. Satte 7 Milliarden verlieren auch die Familien Schindler und Bonnard vom sehr konjunkturanfälligen Liftbauer Schindler.

Um zu den 300 Reichsten zu gehören, benötigt man ein Mindestvermögen von 100 Millionen Franken. Das haben in diesem Jahr zehn erstmals geschafft, die zusammen 26,1 Milliarden mitbringen. Neu dabei sind etwa der norwegische Industrie-Tycoon Kjell Inge Røkke (3,5 bis 4 Milliarden), der sich ins deutlich steuergünstigere Lugano absetzte. Auch die in Genf domizilierte französische Weinfamilie Castel (12 bis 13 Milliarden) gehört zum ersten Mal zum exklusiven Klub dazu.