Corona-Krise beutelt Novartis-Aktionäre

In der vergangenen Woche hat der Börsenwert von Novartis rund 30 Milliarden Franken eingebüsst. Die Generalversammlung des Pharmaunternehmens stand unter dem Zeichen des Corona-Virus.

Stefan Schuppli
Drucken
Teilen
Von links nach rechts: CEO Vas Narasimhan, VR-Vizepräsident Enrico Vanni und VR-Präsident Jörg Reinhardt an der Generalversammlung von Novartis in der St. Jakobshalle in Basel.

Von links nach rechts: CEO Vas Narasimhan, VR-Vizepräsident Enrico Vanni und VR-Präsident Jörg Reinhardt an der Generalversammlung von Novartis in der St. Jakobshalle in Basel.

Keystone

Dass die Börse hie und da einen Taucher macht, ist nichts Ungewöhnliches. Doch jetzt wurde sie vom Corona-Virus erfasst. Mit voller Wucht. Selbst grosse Firmen geraten in Mitleidenschaft. Innerhalb von nur acht Tagen verlor beispielsweise die Novartis-Aktie 13 Prozent. Rund 30 Milliarden Franken müssen sich die Aktionärinnen und Aktionäre von Novartis ans Bein streichen. Diese Woche wird in die Geschichte eingehen - es ist die schwärzeste seit der Finanzkrise von 2011.

Am Freitag versammelten sich die Novartis-Aktionäre zur jährlichen Generalversammlung (GV) in der St. Jakobshalle - just zu dem Zeitpunkt, als der Bundesrat wegen der drohenden Corona-Epidemie Grossveranstaltungen dieser Art untersagte. Schwein gehabt.

Viele der Aktionäre waren wohl aus Vorsicht schon gar nicht angereist. Mit 1200 Anwesenden war die GV dann auch deutlich schlechter besucht als in anderen Jahren (1600 - 1800 Teilnehmende). Klar, dass Aktionäre Fragen zur aktuellen Lage stellten.

Ob es Lieferengpässe gegeben habe, wollte etwa Thomas Anton Schuster wissen. «Wir sehen das relativ entspannt», sagte Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt. Wie die Lage in sechs Monate aussehe, wisse er aber auch nicht. Sie hängt natürlich von der Verbreitung des Corona-Virus ab und von der Wirksamkeit der getroffenen Massnahmen.

In den vergangenen Tagen wurde immer wieder erörtert, dass es bei sehr vielen Grundstoffen zu Engpässen kommen könnte. Reinhardt beschwichtigt: Der Anteil aus China betrage deutlich weniger als 50 Prozent. Es gebe Lager in der Grössenordnung von ein bis zwei Jahresproduktionen.

Was unternimmt Novartis für ihre Angestellten in China?

Ganz sorgenfrei ist man bei Novartis dennoch nicht. Bei Sandoz, der Generika-Firma von Novartis, wächst die Besorgnis über die möglichen Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs auf die globalen Lieferketten. Jetzt hat sich Sandoz einen Preisstopp auferlegt, der rund 20 antivirale Medikamente und Antibiotika betrifft. Die Regelung gelte ab sofort.

Richard Saynor, CEO von Sandoz, sagte am Mittwoch in einer Medienmitteilung: «Ich bin sehr besorgt über Berichte, dass die Preise für grundlegende Medikamente wie Schmerzmittel und Antibiotika erheblich steigen. Dies aufgrund einer sich verschärfenden Versorgungslage für pharmazeutische Wirkstoffe aus China.»

Novartis beschäftigt in China 10'000 Mitarbeitende, schreibt die Medienstelle auf eine entsprechende Frage von CH Media. In Italien, wo das Virus besonders verbreitet ist, sind 2210 Mitarbeitende tätig. Was unternimmt die Firma für ihre Angestellten und das Geschäft im Rahmen der Corona-Krise?

Gegenüber CH Media bleibt Novartis sehr allgemein. Der Konzern habe eine globale Task Force zur kontinuierlichen Bewertung der Situation, zur Koordination und zur Aktualisierung von Massnahmen ins Leben gerufen.

«Wir stehen in regelmässigem Kontakt mit unseren lokalen Geschäftseinheiten in der betroffenen Region und verfolgen in dieser Phase aufmerksam die aktuellen Informationen von globalen Organisationen», heisst es auf Anfrage bei der Medienstelle. Eine Zahl der an Corona-Virus erkrankten Mitarbeitenden wird nicht kommuniziert.

Anträge des Verwaltungsrates gutgeheissen

Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Virus sei für Novartis «kein Thema», sagt Reinhardt. Der Konzern hat das Impfstoff-Geschäft vor einigen Jahren an die Firma GSK verkauft. Eine Rückkehr in diesen Bereich schliesst Reinhardt aus. «Man baut ein solches Geschäft nicht rasch an einem Tag auf.» Man könne aber davon ausgehen, dass bei GSK noch immer einige der übernommenen Novartis-Mitarbeiter an der Entwicklung von Impfstoffen arbeiteten.

Für die Aktionäre gab es trotz dem Wertschwund der Aktie einen Lichtblick: Die Dividende wird um vier Prozent auf 2.95 Franken erhöht. Auch die anderen statutarischen Geschäfte wurden mit grossem Mehr genehmigt.

Jörg Reinhardt wurde als Präsidenten des Verwaltungsrates bestätigt und alle anderen zur Wahl stehenden Mitglieder des Verwaltungsrates für ein weiteres Jahr gewählt. Neu in den Verwaltungsrat wurden Bridget Heller und Simon Moroney gewählt.

Weiter genehmigten die Aktionäre den maximalen Gesamtbetrag für den Verwaltungsrat für den Zeitraum ab der GV 2020 bis zur GV 2021 sowie den maximalen Vergütungsbetrag für die Mitglieder der Konzernleitung für das Geschäftsjahr 2021.