Nationalbank verzichtet auf Senkung des Leitzinses und kauft weiter Devisen

Die Schweizerische Nationalbank will die Aufwertung des Frankens bekämpfen und führt die Interventionen am Devisenmarkt fort. Begehren aus der Politik, die Gewinne aus den Negativzinsen anzutasten, erteilt Präsident Jordan eine Absage.

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Thomas Jordan ist seit 2012 Präsident des Direktoriums der Schweizer Nationalbank.

Thomas Jordan ist seit 2012 Präsident des Direktoriums der Schweizer Nationalbank.

Keystone

(gb.) Die Coronakrise übt weiterhin Druck auf den Franken aus. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) betrachtet den Franken aktuell als zu hoch bewertet und will weiter am Devisenmarkt intervenieren. «Unsere expansive Geldpolitik hat sich bewährt und bleibt weiterhin nötig», sagte Thomas Jordan, der Chef der SNB, am Donnerstag an einer Medienkonferenz.

Eine zentrale Rolle würden zudem die Covid-19-Kredite spielen, welche dem Bankensystem Liquidität zugeführt hätten. Den Leitzins belässt die SNB bei -0,75 Prozent. Laut Jordan hat bisher jedes fünfte KMU in der Schweiz einen Covid-Kredit erhalten.

Unabhängigkeit bis jetzt nicht in Gefahr

Jordan nahm an der Medienkonferenz auch Stellung zu den Beschlüssen des Nationalrats vom Mittwoch. Dieser forderte, dass die Gewinne der Nationalbank zur Schuldentilgung oder zur Sanierung der AHV genutzt würden. Jordan sagte dazu, eine Zweckbindung der Einnahmen aus den Negativzinsen wäre problematisch.

«Wir sollten nun einen kühlen Kopf bewahren und nicht Sachen ändern, die gut funktionieren», so Jordan. «Wenn wir die bestehenden Regeln nicht ändern, ist auch die Unabhängigkeit der SNB nicht in Gefahr».

Inflationsprognosen sind höchst unsicher

Bei den Prognosen zu den wirtschaftlichen Aussichten korrigiert die Nationalbank ihre Angaben vom März nach unten. «Die ganze Welt und die Schweiz befinden sich in einer scharfen Rezession», sagte Jordan. Die Nationalbank rechnet für das laufende Jahr mit einer negativen Inflation von 0,7 Prozent und für das nächstes Jahr mit -0,2 Prozent. Erst im Jahr 2020 könnte die Inflation mit 0,2 Prozent wieder positiv ausfallen.

In ihrer Prognose vom März hatte die SNB noch damit gerechnet, dass die Inflation bereits 2021 wieder positiv würde. Die Gründe für die Korrektur der Prognose sind laut Jordan die schlechteren Wirtschaftsaussichten und die tieferen Erdölpreise. Der SNB-Chef betonte aber, dass die Prognosen einer grossen Unsicherheit ausgesetzt seien.

Keine rasche Erholung in der Schweiz

Die Lockerungsschritte der letzten Monate hätten zu einer Wiederbelebung der Wirtschaft geführt, schreibt die SNB weiter. Selbst wenn es gelingen würde, weitere Ansteckungswellen zu verhindern, dürfte die Konsum- und Investitionsstimmung auf der ganzen Welt verhalten bleiben.

Für die Schweiz rechnet die SNB nicht mit einer raschen Erholung der wirtschaftlichen Aktivitäten. Sie prognostiziert einen Rückgang des BIP um 8 Prozent. Dies wäre der grösste wirtschaftliche Einbruch seit der Ölkrise in den 1970er-Jahren. Immerhin: Die Belebung der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte dürfte in einem deutlich positiven Wachstum im Jahr 2021 zum Ausdruck kommen, schloss Jordan.