Mehr Gewinn, weniger Steuern – wie kommt das?

Der BEKB gelang es trotz negativen Zinsen, den Gewinn im Jahr 2019 zu steigern. Der Kanton Bern kommt als Mehrheitsaktionär in Genuss höherer Dividenden. Als Steuereintreiber kommt er aber schlecht weg.

Sébastian Lavoyer
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Armin Brun ist seit 1. Juli 2019 CEO der Berner Kantonalbank.

Armin Brun ist seit 1. Juli 2019 CEO der Berner Kantonalbank.

Armin Brun hatte allen Grund zu schwärmen. In einem «herausfordernden Umfeld» habe man 2019 ein Resultat erzielen können, das über den eigenen Erwartungen lag, sagte der neue CEO der Berner Kantonalbank (BEKB) am Donnerstag an einer Pressekonferenz. Konkret heisst das, dass die BEKB den Jahresgewinn gegenüber dem Vorjahr (140,79 Millionen Franken) um 1,5 Prozent auf 142, 87 Millionen Franken steigern konnte. Und das in einem Negativ-Zinsumfeld. Insbesondere darauf spielte Brun an, wenn er von einem herausfordernden Umfeld spricht.

Kanton profitiert von höherer Dividende, aber nicht von Steuern

Auch die Aktionäre profitieren von diesem überraschend positiven Abschluss. Aber nicht nur dank des höheren Gewinnes, sondern auch, weil die BEKB zugleich die Dividenden von 8 Franken pro Aktie auf 8,40 Franken erhöht. «Die Aktionäre sowie auch der Kanton Bern erhalten damit 5 Prozent mehr Dividende», rechnete Finanzchef und Geschäftsleitungsmitglied Alois Schärli vor. Bedeutet für den Kanton Bern, dass für 2019 40,3 Millionen Franken einkassiert werden können, rund zwei Millionen mehr als im Vorjahr (38,4 Millionen).

Trotzdem gibt es für den Kanton nicht nur positive Neuigkeiten. Denn trotz des gestiegenen Gewinns führte die BEKB im vergangenen Jahr weniger Steuern ab. Die Einnahmen für den Kanton sanken von 34,5 Millionen Franken auf 28,9 Millionen, was einem Rückgang von 16,2 Prozent entspricht. Wie ist das möglich? Der Hauptgrund für den markanten Rückgang, so Finanzchef Schärli, sei die Auflösung von rund 3,5 Millionen Franken an Steuerabgrenzungen. Die Auflösung konnte die BEKB vollziehen, weil sie für 2016/2017 definitiv veranlagt wurde.

Die restliche Differenz ist auf die Auflösung von Reserven für allgemeine Bankrisiken von CHF 10.5 Mio. zurückzuführen. Bildungen von Reserven für allgemeine Bankrisiken werden steuerlich aufgerechnet, da sie nicht als geschäftsmässig begründeter Aufwand akzeptiert werden. Wenn diese verwendet werden, findet deshalb eine Auflösung von bereits versteuerten Reserven statt, so dass diese nicht nochmals besteuert wird. In diesem Ausmass wird deshalb der steuerbare Gewinn entlastet. Bei einem Steuersatz von rund 20 % entspricht dies rund CHF 2.1 Mio. Kosten Negativzins. Die BEKB macht dazu keine Angaben.

Fluch und Segen mit den Grosskunden

Im Ausblick auf das kommende Jahr betonte CEO Brun, dass das Zinsumfeld herausfordernd bleibe. Und das obschon die Nationalbank die Freigrenze für die Banken angehoben hat. Um wie viel genau, darüber wollten die BEKB-Exponenten keine Auskunft geben. Herausfordernd bleibt für die Bank insbesondere der Umgang mit Grosskunden und Geldern von öffentlich-rechtlichen Körperschaften, die erheblich schwanken.

Ein Beispiel: Prämieneinnahmen und Ausgaben von Krankenkassen schwanken saisonal sehr stark. Genauso wie die Steuereinnahmen bei der öffentlichen Hand jeweils zu Quartalsende stark ansteigen können, wenn viele Bürgerinnen und Bürger ihre Steuerschulden begleichen. «So kann es plötzlich zu einem riesigen Zuwachs auf deren Konten kommen», erklärt Schärli. Und Brun ergänzt: «Es ist nicht unüblich, dass sich innert wenigen Tagen Schwankungen von über 500 Millionen Franken ergeben».

Sind die bei der BEKB gehaltenen Gelder zu hoch, muss sie bei der Nationalbank Negativzinsen berappen. Auch deshalb ist die Bank bei Grosskunden im vergangenen Jahr auf die Bremse gestanden, um diesen Schwankungen weniger ausgeliefert zu sein. Doch das ist ein Hochseilakt. Denn auf der einen Seite zeichnen die Grosskunden verantwortlich für extreme Liquiditätsschwankungen, auf der anderen braucht man sie, um die Negativzinsen nicht auf die Kleinsparer abwälzen zu müssen. «Wir versuchen Deals mit ihnen zu finden. Sie können mehr Liquidität bei uns haben, wenn sie auch andere Geschäfte mit uns abschliessen».

Auch BEKB musste Negativzinsen zahlen

Damit trotzdem für beide Seiten eine gewisse Planungssicherheit herrscht, definiert man gemeinsam Limiten. Wenn diese überschritten werden, fallen Negativzinsen an. Obwohl viele dieser Kunden Zweitbanken haben, also mit Liquiditätsüberschüssen auch ein bisschen spielen können, hält Brun fest: «Wir haben auch im letzten Jahr bezahlt.»