Lebensmittelgigant Nestlé wächst dank Starbucks und Vierbeinern – doch da gibt es noch ein Problem

Der Westschweizer Konzern konnte im vergangenen Jahr den Umsatz um 1,2 Prozent steigern. Auch die Dividende wird erhöht. Trotzdem ist der Nestlé-Chef Mark Schneider nicht sorgenfrei.

Benjamin Weinmann, Vevey
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Nestlé hat am Donnerstagmorgen seine Jahreszahlen vorgelegt.

Nestlé hat am Donnerstagmorgen seine Jahreszahlen vorgelegt.

Keystone

Unter Mark Schneider bleibt es spannend. Der Deutsch-Amerikaner steht Nestlé seit 2017 vor und hat seither ordentlich Bewegung in den Tanker vom Genfersee gebracht. Was zu wenig Gewinn abwirft und nicht in seine Strategie passt, wird dicht gemacht oder verkauft. Gleichzeitig hat Schneider ordentlich zugekauft, wie zum Beispiel das Detailhandelsgeschäft von Starbucks-Kaffee.

Im vergangenen Jahr führte diese Strategie zu einem Umsatzplus von 1,2 Prozent auf 92,6 Milliarden Franken. Im Vorjahr waren es 2,1 Prozent gewesen. Beim organischen Wachstum – bereinigt um Sondereffekte – resultierte gar ein Plus von 3,5 Prozent. So schnell ist Nestlé seit 2015 nicht mehr gewachsen.

Dafür nennt das Unternehmen in seiner Mitteilung vom Donnerstagmorgen zwei Hauptgründe: Einerseits habe Nestlé von einer starken Dynamik im US-amerikanischem Markt profitiert. Und andererseits sei die Tierfutter-Division Purina Pet Care sehr erfolgreich gewesen. Mit Mahlzeiten für die haarigen Vierbeiner erzielt Nestlé rund jeden achten Franken. 17,6 Prozent des Umsatzes blieben als bereinigter, operativer Gewinn übrig. Der Reingewinn kletterte um rund ein Viertel auf 12,6 Milliarden Franken.

Starbucks-Produkte zahlen sich aus

Die Aktionäre dürfen sich freuen: Der Verwaltungsrat beantragt eine Erhöhung der Dividende um 25 Rappen auf 2.70 Franken pro Aktie. Damit hat Nestlé laut eigenen Angaben in den letzten 25 Jahren die Dividenden stets erhöht.

Schneider spricht im Communiqué von einem «starken Fortsch»ritt, der 2019 erzielt worden sei. Die Profitabilität sei erneut verbessert worden. Zufrieden zeigt er sich auch mit der Lancierung von neuen Starbucks-Produkten in Supermärkten, wie zum Beispiel Nespresso kompatible Kapseln.

Damit verkauft Nestlé erstmals eigene Kapseln bei Detailhandelspartnern, anstatt wie bisher nur in eigenen Shops. Schneider spricht von einem «grossen Erfolg». Die Rede ist von 300 Millionen Franken mehr Umsatz dank den Starbucks-Produkten. Vegetarische und pflanzliche Lebensmittel, wie zum Beispiel pflanzliche Hamburger, steuerten 200 Millionen Franken Umsatz bei.

Alles in Butter also? Nicht ganz. Denn auch Nestlé macht sich Sorgen um das Corona-Virus. Die Region «Greater China» ist der zweitgrösste Markt für Nestlé mit einem Umsatzanteil von 8 Prozent. In den letzten Wochen seien aussergewöhnliche Anstrengungen des Teams vor Ort nötig gewesen, sagt Schneider. In der am stärksten betroffenen Stadt Wuhan ist Nestlé zwar nicht präsent. Man arbeitete aber eng mit den chinesischen Behörden zusammen, um die Sicherheit der Angestellten und ihren Familien zu garantieren. Um den finanziellen Schaden der Epidemie einzuschätzen, sei es noch zu früh, so Schneider.