Jede sechste Filiale schliesst: Die Credit Suisse trotzt Corona – und setzt trotzdem zum grossen Sparkurs an

Die Grossbank verschreibt sich einer umfassenden Restrukturierung und will ab 2022 jährlich 400 Millionen einsparen. 20 von 120 Filialen werden aufgelöst. Daneben verkündet die Bank das beste Zweitquartalsergebnis seit zehn Jahren.

Frederic Härri
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20 der 120 CS-Filialen in der Schweiz werden geschlossen.

20 der 120 CS-Filialen in der Schweiz werden geschlossen.

Keystone

Die Anzeichen hatten sich zuletzt verdichtet, jetzt ist es offiziell: Die Credit Suisse verpasst sich eine Entschlackungskur. Künftig wird die Grossbank die Sparten des Investment Banking in einer einzigen Investmentbank vereinen. Zudem werden die beiden Bereiche Risk und Compliance zusammengelegt. Es ist ein Sparkurs, der ab 2022 jährlich Kosteneinsparungen von 400 Millionen Franken bringen soll.

Der Umstrukturierung, die die Bank am Donnerstag im Rahmen ihres Halbjahresabschlusses bekannt gab, werden Jobs zum Opfer fallen. Wie gravierend der Stellenabbau sein wird, wollte der neue Konzernchef Thomas Gottstein gestern nicht verraten. Laut dem Branchenportal «Inside Paradeplatz» könnten bis zu 2000 Stellen gestrichen werden. Dies verneinte Gottstein aber vehement. Finanzchef David Mathers ergänzte, dass die betroffenen Mitarbeiter möglichst an einem anderen Ort wieder eingesetzt werden sollen. Doch für wie viele Angestellte dies tatsächlich realistisch ist, liess Mathers offen. Derzeit beschäftigt die Credit Suisse rund 48'500 Personen.

Verschreibt der Credit Suisse eine Entschlackungskur: Konzernchef Thomas Gottstein, der Anfang Jahr auf Tidjane Thiam folgte.

Verschreibt der Credit Suisse eine Entschlackungskur: Konzernchef Thomas Gottstein, der Anfang Jahr auf Tidjane Thiam folgte.

Ennio Leanza / KEYSTONE

Sicher ist, dass die Sparübung zahlreiche CS-Filialen betrifft. 20 der 120 Filialen in der Schweiz werden geschlossen, sagte Gottstein. Damit streicht die Credit Suisse also jede sechste Schweizer Filiale. Gottstein hatte schon vor ein paar Monaten angekündigt, dass die Zahl der Filialen abnehmen wird. Stattdessen will die Bank ihre digitalen Kanäle, zu denen das Online-Banking oder die CS-Apps gehören, weiter ausbauen.

Bestes Resultat seit zehn Jahren

Bei all den Ankündigungen geriet das gelungene Quartalsergebnis der Credit Suisse fast schon zur Nebensache. Die Zahlen verdeutlichen, dass sich die Grossbank in der Coronakrise überraschend gut schlägt. Von April bis Juni stieg der Reingewinn im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent auf 1,2 Milliarden Franken. «Das ist das beste Zweitquartalsresultat seit zehn Jahren», sagte Gottstein. Auf Vorsteuerebene lag der Gewinn bei 1,6 Milliarden Franken, was einem Anstieg um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Damit wurden die Erwartungen der Anleger deutlich übertroffen.

Spurlos gehen die Auswirkungen der globalen Krise jedoch auch an der Credit Suisse nicht vorbei. Auch in diesem Quartal hat die Bank wieder Rückstellungen für Kreditrisiken vorgenommen. Diese fielen mit 296 Millionen Franken aber deutlich niedriger aus als im ersten Quartal mit 568 Millionen plus Wertberichtigungen von 444 Millionen.

An Umweltsünder fliesst kein Geld mehr

Am Rande kündigte die Credit Suisse an, dass sie ihre Nachhaltigkeitsstrategie vorantreiben will. So plant die Bank, in den nächsten zehn Jahren mindestens 300 Milliarden Franken an nachhaltiger Finanzierung bereitzustellen. Künftig fliesst auch kein CS-Geld mehr an Firmen, die mehr als 25 Prozent ihrer Umsätze mit Kohlekraft oder dem Abbau von Kraftwerkskohle erwirtschaften. Auch Öl- und Gasprojekte in der Arktis erhalten keine finanzielle Unterstützung mehr. Damit reagiert die Credit Suisse auf die wiederholte Kritik von Klimaschützern, wonach sie Umweltsünder regelmässig mit Milliardenkrediten alimentiert.

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