In den Schweizer Nespresso-Fabriken brodelt es – Nestlé reagiert

Das Personal berichte über Stress und Erschöpfung, kritisiert die Gewerkschaft Unia. Und das seit Jahren. Nun hat Nestlé die Mitarbeitenden selbst befragt. Und handelt.

Dario Pollice und Samuel Thomi
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Es sind happige Vorwürfe, welche die Gewerkschaft Unia gegenüber der Nestlé-Tochterfirma macht. In einer Medienmitteilung vom Dienstag kritisiert sie, in den drei Fabriken von Nespresso in der Westschweiz herrschten «üble Arbeitsbedingungen». Gemäss einer gewerkschaftlichen Umfrage seien 90 Prozent der Angestellten der Ansicht, dass sich die Arbeitsbedingungen im letzten Jahr «deutlich verschlechtert» hätten. Weiter würden 60 Prozent der Befragten bald eine neue Stelle zu suchen, so die Gewerkschaft.

Gemäss Angaben der Unia hat die Hälfte der Arbeitenden an den drei Nespresso-Standorten in Orbe (VD), Avenches (VD) und Romont (FR) im letzten Jahr an der Befragung teilgenommen. Die Kritik an den Nespresso-Werken indes ist nicht neu. Bereits früher hatten Gewerkschaftsvertreter in Welschen Medien die Arbeitsbedingungen in den Fabriken beklagt.

Vorwürfe sind nicht neu

In einer Stellungnahme hält Nespresso am Dienstag fest, die Mitarbeitenden hätten im letzten Jahr Arbeitnehmervertreter für ihre Werke gewählt. Mit diesen stehe das Unternehmen im Dialog und sie würden auch regelmässig informiert.

Auf die konkreten Vorwürfe der Unia geht eine Mediensprecherin von Nespresso auf Nachfrage jedoch nicht ein. Laut der Gewerkschaft wurde die Wochenarbeitszeit vor zwei Jahren auf ...

  • 43 Stunden erhöht,
  • jedes Wochenende muss seither eine Schicht von 12 Stunden eingelegt werden
  • und einmal im Monat gar eine Wochenarbeitszeit von 58 Stunden.

Die Gewerkschaft kritisiert diese Arbeitsbedingungen seit Jahren. Und dass Nespresso seit Jahren nicht bereit sei zu Gesprächen. Ebenso sei die vor zwei Jahren in Aussicht gestellte Lohnerhöhung bisher nicht umgesetzt worden. Nun hat die Unia genug und prüft laut Informationen vom Dienstag eine Beschwerde bei den Aufsichtsbehörden vor.

Wie Nespresso mitteilt, hat die Nestlé-Tochterfirma im vergangenen Mai bei den Mitarbeitenden eine eigene Umfrage durchgeführt. Dabei seien «Bereiche identifiziert worden», in denen Verbesserungen «möglich sind, insbesondere die Verbesserung der Work-Life-Balance». Auch seien Arbeitsgruppen mit Mitarbeitenden und Arbeitnehmervertretern ins Leben gerufen worden. Verbesserungen, die aus diesen Gesprächen resultierten, seien auf Anfang dieses Jahres umgesetzt worden. Konkret wird Nestlé aber auch dazu nicht. Die Mitarbeitenden hätten seither abends und an Wochenenden jedoch mehr Ruhezeiten.