Geldpolitische Lage
Lieferengpässe und Erdölpreise: SNB korrigiert Inflationsprognose nach oben

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) behält ihre expansive Geldpolitik bei und lässt den Leitzins unverändert. Derweil musste sie die Inflationsprognose anpassen.

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Die SNB führt ihre expansive Geldpolitik fort.

Die SNB führt ihre expansive Geldpolitik fort.

Keystone

Wegen höherer Importpreise für Erdöl und Waren, die von Lieferengpässen betroffen sind, passt die SNB ihre Inflationsprognose nach oben an. Für 2021 liegt sie neu bei 0,6 Prozent, für 2022 bei 1 Prozent und für 2023 bei 0,6 Prozent. «Wir gehen davon aus, dass die Inflation bald ihren Höhepunkt erreicht haben und im Laufe des nächsten Jahres wieder zurückgehen wird», führte SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag vor den Medien aus.

Gleichzeitig kündigte die Nationalbank an, ihre expansive Geldpolitik unverändert fortzuführen. Der Leitzins bleibt bei -0,75 Prozent, zudem sei sie bereit, «bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, um dem Aufwertungsdruck auf den Franken entgegenzuwirken», schreibt die SNB. «Dadurch unterstützen wir die wirtschaftliche Erholung und halten die Teuerung im Bereich der Preisstabilität», so Jordan gemäss Redetext. Bereits in den letzten Monaten habe die nominale Aufwertung des Frankens dem Preisanstieg entgegengewirkt, weil sie Importe verbilligte.

Mittelfristige Entspannung der Situation

Die Nationalbank geht in ihrem Basisszenario für die Weltwirtschaft davon aus, dass es trotz unsicherer Pandemielage zu keinen weitreichenden Eindämmungsmassnahmen mehr kommen wird. «Die Konjunkturerholung sollte sich somit fortsetzen, wenn auch etwas gedämpft», so der SNB-Präsident. Obwohl Lieferengpässe weiterhin zu steigenden Preisen führen dürften, rechnet die SNB mittelfristig mit einer Entspannung der Situation. Auch die Inflation im Ausland dürfte wieder auf moderate Niveaus sinken.

Sie geht auch davon aus, dass sich die Konjunkturerholung in der Schweiz nächstes Jahr fortsetzt, für 2022 rechnet sie mit einem BIP-Wachstum von drei Prozent. «Die Arbeitslosigkeit dürfte noch einmal etwas zurückgehen, und die Auslastung der Produktionskapazitäten sollte sich weiter normalisieren.» Eine wichtige Annahme dabei ist laut Thomas Jordan aber, dass zur Bekämpfung der Pandemie keine Massnahmen ergriffen werden müssen, die die Wirtschaftsaktivität zusätzlich beeinträchtigen würden.

Zudem erinnert Jordan erneut daran, dass die Unsicherheit in der aktuellen Pandemiesituation sehr gross ist und die wirtschaftliche Entwicklung in beide Richtungen beeinflussen könne. Die Unsicherheit könne zu erhöhter Nachfrage nach Franken führen und den Aufwertungsdruck verstärken. «Dies könnte rasch wieder die Konjunktur belasten und je nachdem sogar die Inflation wieder in den negativen Bereich fallen lassen.» Es gelte also, die Entwicklung des Frankens genau zu beobachten. (agl)

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