Ein Rückgang der Globalisierung dürfte die Schweiz hart treffen

Die Schweiz ist gemäss der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich das globalisierteste Land der Welt. Eine Deglobalisierung, wie sie als Folge der Coronakrise denkbar ist, würde die Schweiz deshalb stark treffen.

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Kleine Länder wie die Schweiz dürften gemäss der KOF am stärksten leiden, wenn der weltweite Austausch von Gütern abnimmt.

Kleine Länder wie die Schweiz dürften gemäss der KOF am stärksten leiden, wenn der weltweite Austausch von Gütern abnimmt.

Claus Bjorn Larsen / EPA

(jk/agl) Die Konjunkturforschungsstelle KOF schätzt die während des sechswöchigen Lockdowns entstandenen Kosten für die Schweizer Wirtschaft auf 18 Milliarden Franken. Zwei Drittel dieser Kosten dürften gemäss der KOF auf den Einbruch des weltweiten Wirtschaftssystems zurückzuführen sein. Das teilte die KOF am Freitag mit.

Die Verletzlichkeit der globalisierten Schweiz ist auch Thema im aktuellen Wirtschaftsmagazin «Trend» von SRF. Seit dem Fall der Berliner Mauer und dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation vor dreissig Jahren hat die Globalisierungsgeschwindigkeit enorm zugenommen. Die weltweiten Lieferketten explodierten, wurden ausgebaut und trugen auf dem Höhepunkt der Hyperglobalisierung 60 Prozent zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei.

Die Kehrseite der Medaille: Die enge Vernetzung birgt systemische Risiken, wie sich in der Finanzkrise gezeigt hat - und jetzt während der Coronakrise. Fällt nämlich ein Glied in der langen Lieferkette aus, gerät der ganze Produktionsprozess ins Stocken.

Auto-, Maschinen- und Uhrenindustrie leidet

Das zeigt sich auch in der Aussenhandelsstatistik der Schweizerischen Zollverwaltung, die Anfang Woche publiziert wurde. Die Schweizer Exporte verzeichneten Ende März zwar ein Plus, dies jedoch nur, weil das starke Wachstum der Pharmaindustrie die rückläufigen Entwicklungen in den übrigen Industriezweigen überdeckte. Im ersten Quartal litten besonders die Ausfuhren von Fahrzeugen, Metallen, Maschinen und Elektronik sowie Uhren. Die Zollverwaltung bezifferte ein Minus von 841 Millionen Franken.

Bereits nach der Finanzkrise habe sich die Zunahme der Globalisierung stark abgeschwächt, erklärt der Zürcher Globalisierungsforscher Florian Hälg von der KOF gegenüber SRF. Dies zeige auch der KOF-Globalisierungsindex.

«Für kleine Volkswirtschaften steht viel auf dem Spiel», so Hälg. Sie seien stärker auf den Austausch von Gütern angewiesen. Laut Hälg trifft es deshalb auch die Schweiz, welche den Globalisierungsindex anführt, und demnach das am stärksten globalisierte Land der Welt ist. Sie ist auch sozial und politisch gut in die Weltgemeinschaft integriert - nicht nur ökonomisch.