Dutzende Mitarbeiter werden definitiv entlassen: Steinhauser Crypto International meldet Konkurs an

Das Nachfolgeunternehmen der Zuger Crypto AG ist am Ende. Das Besitzerpaar hat am Donnerstagmorgen den Konkurs des Unternehmens angemeldet. Grund ist ein gescheitertes Wiedererwägungsgesuch.

Gregory Remez
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Über die Zuger Crypto AG, die Vorgängerfirma der Crypto International AG, lief eine weltweite Spionageaktion, an der ausländische Geheimdienste beteiligt waren.

Über die Zuger Crypto AG, die Vorgängerfirma der Crypto International AG, lief eine weltweite Spionageaktion, an der ausländische Geheimdienste beteiligt waren.

Stefan Kaiser (11. Februar 2020)

Die Zuger Crypto International AG, das Nachfolgeunternehmen des umstrittenen Herstellers von Chiffriergeräten, der im Fokus der sogenannten Crypto-Affäre steht, wirft definitiv das Handtuch. Das schwedische Besitzerpaar Emma und Andreas Linde hat am Donnerstagmorgen beim Zuger Amt für Wirtschaft und Arbeit den Konkurs des Unternehmens angemeldet.

Damit verbunden ist der Vollzug der bereits angekündigten Massenentlassung bei Crypto International. Gemäss Firmenangaben waren dort von ursprünglich 85 Mitarbeitern zuletzt noch deren 70 beschäftigt. Diese zum Teil hochqualifizierten Arbeitskräfte, für die laut NZZ in der Zwischenzeit ein Sozialplan ausgearbeitet worden ist, verlieren nun ihre Stelle. Schweren Herzens habe man die Mitarbeiter am Donnerstag über das Ende ihres Arbeitsverhältnisses informiert, schreiben die Firmenverantwortlichen in einer Stellungnahme.

Bundesrat hält am vorläufigen Ausfuhrstopp fest

Auslöser ist ein gescheitertes Wiedererwägungsgesuch gegen den vom Bundesrat verhängten Ausfuhrstopp für die Crypto International AG. Bereits vor den Sommerferien hatte die Landesregierung entschieden, dem Unternehmen mit Sitz im zugerischen Steinhausen vorderhand keine Exportbewilligung zu erteilen. Daraufhin reichte das Ehepaar Linde ein Gesuch beim Bundesrat ein, diesen Entscheid zu revidieren.

Am Mittwoch, 26. August, wurde das Geschäft schliesslich nochmals behandelt, jedoch ohne neuen Ausgang: Der Bundesrat hielt am vorläufigen Ausfuhrstopp fest – und zwang die Unternehmer in der Folge zu den nun unternommenen Schritten.

«Der fehlende Wille des Bundesrates, über unsere Ausfuhrgesuche zu befinden, kommt einem Exportverbot für unser Unternehmen gleich und entzieht damit Crypto International die Existenzgrundlage», heisst es in der Stellungnahme weiter. «Wir haben unermüdlich für die Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden und für das Überleben unseres Unternehmens gekämpft. Jedoch waren wir gegen Behörden, die allein durch politisch motiviertes Handeln unserem Unternehmen die Existenzgrundlage entzogen, machtlos.»

Untersuchung gegen ursprüngliche Firma noch in Gang

Ganz untätig wollten die schwedischen Besitzer den Bundesratsentscheid aber offenbar nicht abwarten. Wie dem Handelsregister des Kantons Zug zu entnehmen ist, liessen Emma und Andreas Linde dort am 4. August ein neues Unternehmen namens Asperiq AG eintragen – mit ihnen als Verwaltungsräte. Die neue Firma ist nach Angaben im Handelsregister ebenfalls im Bereich Kommunikationstechnologie tätig. Inwiefern die Asperiq das Geschäft der Crypto weiterführen soll, ist allerdings unklar.

Das nun besiegelte Ende von Crypto International ist letztlich eine Folge der Crypto-Affäre. Im Februar dieses Jahres hatten die SRF-«Rundschau» und weitere Medien aufgedeckt, dass die Vorgängerfirma Crypto AG in früheren Jahren manipulierte Verschlüsselungsgeräte an mehrere Staaten verkauft haben soll. Erstmals konnte aufgezeigt werden, dass die ehemalige Crypto AG lange Zeit im Besitz von US-amerikanischen und deutschen Geheimdiensten war.

Daraufhin entzog der Bund den Nachfolgefirmen, wozu Crypto International zählt, die Generalausfuhrbewilligung. Gegen das ursprüngliche Unternehmen läuft eine Untersuchung. Das Besitzerpaar Linde betonte stets, dass sie nichts mit der Vorgängerfirma und der Spionageaffäre zu tun habe.

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