Aus für Schweizer Fernbus-Netz: Beide Interessenten ziehen sich zurück

Mit Eurobus und Dr. Richard ziehen sich die letzten Firmen zurück, die innerhalb der Schweiz mit Bussen Passagiere transportieren wollten. Schuld geben sie auch den Behörden.

Stefan Ehrbar
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Fernbusse, die Schweizer Städte zu günstigen Preisen verbinden: Diese Idee klang gut, nun ist sie aber Geschichte. Nachdem im November 2019 Eurobus nach eineinhalb defizitären Jahren den Betrieb des Fernbus-Netz einstellte, reichte die Firma bei den zuständigen Behörden zwar ein neues Gesuch ein. Doch dieses hat die Bus-Tochter der aargauischen Knecht-Gruppe vor zwei Monaten zurückgezogen, wie diese Zeitung weiss. 

Fernbusse innerhalb der Schweiz wird es so schnell nicht mehr geben.

Fernbusse innerhalb der Schweiz wird es so schnell nicht mehr geben.

Keystone

Recherchen zeigen: Auch die letzte verbliebene Interessentin für ein Fernbus-Netz innerhalb der Schweiz, die österreichische Dr. Richard-Gruppe, hat diesen Schritt kürzlich getan. Das bestätigt das Bundesamt für Verkehr (BAV). Andere Interessenten gibt es derzeit nicht. Ein Schweizer Fernbus-Netz wird es damit bis auf Weiteres nicht geben. Doch wie konnte es soweit kommen?

Kooperation mit Flixbus ohne Erfolg

Bei Dr. Richard gibt es keine Antworten. Der Manager, der das Schweizer Netz aufbauen sollte, liess Anfragen tagelang unbeantwortet. Eurobus wiederum gibt den Behörden eine Mitschuld. Das Bundesamt für Verkehr habe verlangt, dass sich alle interessierten Anbieter untereinander absprechen und einigen sollen. Das habe dazu geführt, dass das Konzept von Eurobus nicht, respektive nur unvollständig hätte umgesetzt werden können, sagte Fernbus-Chef Roger Müri anfangs März zu dieser Zeitung. 

Für sein erstes Schweizer Fernbus-Netz hatte Eurobus das Netz des Anbieters Domo gekauft und war eine Kooperation mit dem deutschen Fernbusriesen Flixbus eingegangen. Über dessen Internetseite liessen sich die Tickets buchen, sein Logo prangte auf der Seite der doppelstöckigen Fahrzeuge, die zwischen St. Gallen und Genf unterwegs waren. Das Experiment scheiterte, weil viele kleinere Städte wie Bulle, Stans oder Füllinsdorf angefahren wurden, in denen oft gar niemand einsteigen wollte. 

Eurobus verärgerte die Behörden

Eurobus wollte deshalb Haltestellen streichen, doch dafür hätte die Konzession geändert werden müssen. Weil die Konkurrenz von Dr. Richard damals bereits ein Gesuch eingereicht hatte, wollte der Bund erst einen Koordinationsprozess starten - mit unklarer Dauer.

Deshalb gab Eurobus seine alte Konzession auf und reichte gleich das Gesuch für eine neue ein. Damit verärgerte die Firma den Bund. Man habe Kontinuität erwartet, sagte damals ein Sprecher des Bundesamt für Verkehr. Sofort neue Bewilligungen zu erteilen, wenn eine Linie nicht laufe, widerspreche diesem Gedanken. Müri von Eurobus sagt, in das neue Gesuch seien die Erfahrungen aus dem gescheiterten ersten Versuch eingeflossen. Das neue Netz hätte den öffentlichen Verkehr ergänzt und wirtschaftlich betrieben werden können. 

Die Coronakrise verändert die Mobilität

Auch wenn Dr. Richard nun sein Gesuch zurückgezogen hat: Für Eurobus ist ein Wiedereinstieg ins Fernbus-Geschäft zurzeit kein Thema, sagt Geschäftsführer Philipp Vassalli - umso weniger, als die Mobilität durch die Coronakrise praktisch zum Erliegen gekommen sei.

Wann die Menschen wieder reisen wie zuvor, ist völlig offen. Hinzu kommt ein Vertrauensproblem: Die Abstandsregeln können schon in Zügen je nach Tageszeit und Strecke kaum umgesetzt werden - in den engeren Bussen dürften das noch viel weniger Passagiere für möglich halten. Fernbusse leben zudem auch von Touristen aus Ländern, in denen diese Art der Fortbewegung bekannter ist. Diese fehlen zurzeit fast komplett.

Kein Erfolg gegen den ÖV

Die Fernbusbetreiber hatten aber auch keinen soliden Plan, wie sie dem ÖV Passagiere abluchsen können. Das Konzept von Dr. Richard sah etwa Verbindungen zu Randzeiten an den Flughafen Zürich vor. Tatsächlich besteht eine Lücke: Selbst aus grossen Teilen der Stadt Zürich lassen sich die ersten Flüge am Morgen nicht mit dem öffentlichen Verkehr erreichen. 

Doch gerade der Flughafen setzt stark auf den ÖV. Sein Ziel ist, die Erschliessung zu Randzeiten mit Bus, Zug und Tram zu verbessern. Dafür investiert er auch Geld. Eine neue Frühverbindung vom Zürcher Hauptbahnhof an den Flughafen wurde nur möglich, weil sich der Flughafen zu einem «massgeblichen kommunikativen Engagement» verpflichtete, wie es in einem Dokument der Stadt Zürich heisst.

Regionale Betriebe sprangen in die Bresche

Aus Städten wie Chur oder Luzern sind währenddessen längst regionale Verkehrsbetriebe in die Bresche gesprungen, die mit eigenen Bussen frühmorgens an den Flughafen fahren.

Auf anderen Strecken mit grossem Potenzial wie etwa zwischen Zürich und Bern oder Basel und Olten wiederum ist der Bus von den Fahrzeiten her keine Konkurrenz für den Zug - und dank Sparbilletten lohnt sich eine Fahrt selbst finanziell nur selten. Dass sich bald ein neuer Interessent für ein Schweizer Fernbus-Netz findet, darf deshalb bezweifelt werden.

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