Migros steigert 2019 Umsatz leicht – Detailhandel schwächelt

Entgegen den kürzlichen Gerüchten hat die Migros ihren Umsatz 2019 um 0,7 Prozent gesteigert. Im Kernbereich Detailhandel schwächelt der orange Riese jedoch.

Gabriela Jordan
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Die Migros erwartete für 2019 ein schlechtes Geschäftsjahr, doch nun ist es besser herausgekommen.

Die Migros erwartete für 2019 ein schlechtes Geschäftsjahr, doch nun ist es besser herausgekommen.

Archivbild: Keystone

2019 war ein turbulentes Jahr für die Migros-Gruppe. Sie machte vor allem mit Sparrunden, Stellenabbau in der Zentrale, Streitereien mit Regionalfürsten und dem Verkauf von Traditionsgeschäften auf sich aufmerksam. Trotz allem – und trotz der kürzlichen Gerüchte über ein historisch schlechtes Geschäftsjahr – hat die Migros 2019 einen Rekordumsatz geschafft. Insgesamt setzte sie rund 28,7 Milliarden Franken um. Das sind 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie die Detailhändlerin am Freitag bekannt gab, handelt es sich um den höchsten Umsatz in der Firmengeschichte. Über den Gewinn informiert die Migros am 24. März.

«Spürbar gewachsen» sind laut der Mitteilung die Geschäftsfelder Online, Discount und Convenience. Der gesamte Onlineumsatz wuchs um 9,9 Prozent auf 2,3 Milliarden. Dazu trug primär der Onlinehändler Digitec Galaxus bei, der mit 1,1 Milliarden einen Rekordumsatz erzielte (+16,1 Prozent). Der Discounter Denner setzte mit 3,3 Milliarden trotz starker Konkurrenz 2,3 Prozent mehr um. Insgesamt steigerte die Migros den Detailhandelsumsatz im Inland um 0,6 Prozent auf 22 Milliarden. «Die Migros ist mit Blick auf das anspruchsvolle Marktumfeld auf gutem Weg», wird Fabrice Zumbrunnen, Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes, in der Mitteilung zitiert.

Sinkende Umsätze bei Genossenschaften

Die Mitteilung täuscht aber nicht darüber hinweg, dass das Kerngeschäft der Migros gelitten hat. Im genossenschaftlichen Detailhandel – zu dem Supermärkte, Restaurants und Fachmärkte wie SportXX und Micasa gehören, nicht aber Globus, Denner oder Migrolino, resultierte mit 16,7 Milliarden ein Minus von 0,7 Prozent. In ihren Supermärkten erwirtschafteten die zehn regionalen Genossenschaften sogar nur noch 11,6 Milliarden (-1,4 Prozent). Grund dafür waren Preissenkungen auf rund 1500 beliebtesten Produkten. Die Kundenfrequenz habe gleichzeitig nämlich zugenommen.

Über die sinkenden Umsätze der Genossenschaften hatte bereits die «Sonntagszeitung» mit Verweis auf Insider-Informationen berichtet. Gemunkelt wurde zudem über einen möglichen Verlust im Geschäftsjahr 2019. Diesbezüglich spricht die Migros jedoch weiterhin von «reiner Spekulation». Von der Umsatzentwicklung einzelner Genossenschaften auf das Ergebnis der Migros-Gruppe zu schliessen, wäre «äusserst unseriös».

Kein Kommentar zum möglichen Glatt-Verkauf

Dass vertrauliche Geschäftsinformationen von Migros-Insidern geleakt wurden, lässt dennoch aufhorchen. Auch dass über rote Zahlen gewerweisst wird, ist Ausdruck einer grossen Verunsicherung. Zum Informationsleck äussert sich die Migros nicht. Auch der Verkauf des Einkaufszentrums Glatt am Rande von Zürich, über den in den letzten Tagen spekuliert wurde, wird in der Medienmitteilung nicht thematisiert.

Es verstärkt sich der Eindruck, dass es innerhalb der Migros gehörig rumpelt. Dabei hätte die Detailhändlerin eigentlich genügend Grund zur Freude: Sie kann einen Rekordumsatz, ein gutes Online- und Discountgeschäft, ein dichtes Ladennetz und viele Kunden vorweisen.

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