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Nationalbank-Vize Fritz Zurbrügg tritt zurück – so warnte er zuletzt vor den Gefahren auf dem Immobilienmarkt

Fritz Zurbrügg, Vizepräsident des Direktoriums der Nationalbank, will 2022 zurücktreten und in Ruhestand gehen. Zurbrügg war im Herbst aus gesundheitlichen Gründen zeitweilig ausgefallen.

Peter Walthard und Niklaus Vontobel
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SNB-Vize Fritz Zurbrügg will 2022 in Ruhestand gehen. (Archivbild)

SNB-Vize Fritz Zurbrügg will 2022 in Ruhestand gehen. (Archivbild)

Fritz Zurbrügg trete per Ende Juli 2022 zurück, teilte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Montag mit. Er gehe in den Ruhestand. Zurbrügg führte seit 2015 als Vizepräsident des Direktoriums das Departement II, zuständig für Finanzstabilität, Bargeld und Risiken. Er ist seit 2012 Mitglied des Direktoriums der SNB.

Vergangenen Oktober hatte sich Zurbrügg, Jahrgang 1960, einem kardiologischen Eingriff unterziehen müssen, weshalb er einige Wochen ausfiel. In seine Amtszeit fiel unter anderem die damals sehr kontroverse Aufhebung des Mindestkurses gegenüber dem Euro im Januar 2015.

Als der Mindestkurs aufgehoben wurde

In einem Interview mit der Zeitung «Blick» rechtfertigte Zurbrügg die Aufhebung des Mindestkurses damals damit, dass der Mindestkurs nicht mehr aufrechtzuerhalten gewesen sei. «Hochgerechnet auf einen Monat, hätten wir allein im Januar für rund 100 Milliarden Franken intervenieren müssen.» Die unkontrollierbare Zunahme dieser Risiken habe in keinem Verhältnis mehr zum geldpolitischen Nutzen gestanden. Zurbrügg sagte:

«Es waren Milliardenbeträge, die täglich rausgingen, und es bestand keine Aussicht auf ein Ende.»

Die Aufhebung hatte weitreichende Folgen. Der Euro fiel auf die Parität zum Franken. Es bildeten sich Schlangen vor den Banken. Alle wollten sie günstig Euros kaufen. Der Boom des Einkaufstourismus nahm seinen Lauf. Exportindustrie, Tourismus und Detailhandel ächzen unter dem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Mit der Aufhebung des Mindestkurses einherging die Einführung von Negativzinsen. Die Banken mussten also der Nationalbank einen Zins von 0,75 Prozent zahlen, wenn sie dort ihr Geld parkieren wollten. Die Negativzinsen der Nationalbank gehören zu den tiefsten weltweit.

Laut Warnungen vor den Risiken auf dem Immobilienmarkt

Zuletzt fiel Zurbrügg auf mit warnenden Worten zum Schweizerischen Immobilienmarkt. Eine breite Palette von Indikatoren deute darauf hin, dass die Wohnliegenschaftspreise und Hypothekarvolumen in den letzten Jahren stärker gewachsen seien, als es Fundamentalfaktoren erklären könnten. Zudem hätten die Kreditrisiken, vor allem die Tragbarkeitsrisiken, bei neu vergebenen Hypotheken in den letzten Jahren stark zugenommen. Darum, so Zurbrügg:

«Die Schweizerische Nationalbank schätzt die Verwundbarkeiten an den Immobilien- und Hypothekarmärkten aktuell als hoch ein. Es besteht somit eine erhöhte Anfälligkeit für Preisrückgänge und Anstiege der Kreditausfälle.»

Übersetzt würde die Einschätzung der Nationalbank bedeuten: Die Preise für Einfamilienhäuser und Wohnungen haben sich von der Realwirtschaft entkoppelt. Und irgendwann könnten sie aus diesen luftigen Höhen abstürzen. Wann es dazu kommen könnte, das weiss niemand. Solche Überbewertungen können sehr lange anhalten. Die Preise von Einfamilienhäusern beispielsweise haben national bereits das gleiche Niveau erreicht wie auf dem Höhepunkt der Immobilienblase der 1980er-Jahre. In einigen Regionen liegen die Preise bereits deutlich höher.

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