ABB verliert Aufträge und büsst deutlich an Umsatz ein – und ist trotzdem «zufrieden mit dem Resultat»

Der Industriekonzern ABB hat ein schwieriges zweites Quartal hinter sich. CEO Björn Rosengren blickt dennoch optimistisch auf das zweite Halbjahr.

Frederic Härri
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Hinter ABB liegt ein schwieriges Halbjahr. Damit hat das Unternehmen gerechnet.

Hinter ABB liegt ein schwieriges Halbjahr. Damit hat das Unternehmen gerechnet.

Quelle: Keystone

Auch Elektrotechnikkonzern ABB macht wegen der Coronakrise harte Zeiten durch. Die Quartalszahlen, die das Unternehmen am Mittwoch vorgelegt hat, verdeutlichen das. Von April bis Juni gingen die Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahresquartal um 14 Prozent auf vergleichbarer Basis zurück. Der Umsatz sank um 10 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar. Auch der operative Gewinn brach zweistellig auf 651 Millionen Dollar ein. Und dennoch legten die ABB-Aktien nach Bekanntgabe der Zahlen an der Börse zu. Denn: Das Unternehmen hat sich besser geschlagen, als es viele Analytiker erwartet hatten.

Das liegt unter anderem auch am Konzernergebnis, das mit 319 Millionen Dollar deutlich über dem Vorjahreswert lag. Damals war das Ergebnis allerdings durch eine Sonderbelastung wegen des Verkaufs des Solarwechselrichtergeschäfts beeinträchtigt. Björn Rosengren, seit März neuer CEO von ABB, sagte an der Medienkonferenz vom Mittwoch, er sei «zufrieden mit dem Resultat». Dass die Geschäftszahlen unter der Coronakrise leiden würden, habe man gewusst. Ziel sei es gewesen, Kosten zu senken und Widerstandsfähigkeit zu beweisen. «Das ist uns gelungen», meinte Rosengren.

Den grössten Auftragsrückgang im zweiten Quartal verzeichnete ABB in der Division Robotik und Fertigungsautomation, an der die Krise in der Autoindustrie schwere Spuren hinterlassen hat. Besser als erwartet erging es dem Unternehmen dagegen im Geschäftsbereich Antriebstechnik. Sorgen macht ABB insbesondere der US-Markt, in dem die Aufträge um 25 Prozent zurückgegangen sind. Rosengren bezeichnet die dortige Situation als «düster». «Sie müssen die Pandemiesituation wieder unter Kontrolle bringen und die Angst aus dem Markt bringen», sagte der Schwede an die Adresse der Amerikaner. Daneben schnitt auch die Region Europa im Vergleich zu den Regionen Naher Osten, Afrika und Asien schlechter ab. Hoffnungsvoll blickt man bei ABB auf den chinesischen Markt, wo derzeit eine kräftige Erholung spürbar sei, wie Rosengren betonte.

Mit Prognosen hält man sich zurück - auch in Sachen Entlassungen

Und so geht ABB alles in allem verhalten optimistisch ins zweite Halbjahr 2020. Für das dritte Quartal rechnet der Konzern damit, dass sich die Auftragslage wieder leicht verbessert. Der Umsatz werde allerdings weiterhin stark beeinträchtigt sein und dürfte sich frühestens im vierten Quartal «etwas erholen», heisst es beim Unternehmen. Rosengren selbst wollte gestern nicht allzu weit vorausblicken: «Es ist eine schwierige Zeit, um Prognosen zu treffen, egal welcher Art.»

Auch auf Fragen zu möglichen Entlassungen ging Rosengren nicht näher ein. Man müsse erst einmal schauen, wie sich die Nachfrage entwickle, wenn die Coronakrise überwunden sei, sagte er. «Wenn es zu Entlassungen kommen sollte, dann wird das nicht zentral beschlossen, sondern unsere einzelnen Divisionen entscheiden das selbst.» ABB befindet sich mitten in einem umfangreichen Dezentralisierungsprozess. Die vier Geschäftsbereiche Elektrifizierung, Industrieautomation, Antriebstechnik sowie Robotik & Fertigungsautomation sind in 18 eigenverantwortliche Divisionen unterteilt.

Wegen Hitachi: Bis zu 7,8 Milliarden Dollar an die Aktionäre

Am Rande der Medienkonferenz kündigte ABB an, dass am Donnerstag wie geplant mit dem angekündigten Aktienrückkauf in Höhe von 180 Millionen Aktien gestartet wird. Aus dem Verkauf der Stromnetzsparte an das japanische Unternehmen Hitachi von Anfang Juli werden Erlöse von 7,6 bis 7,8 Milliarden Dollar an die Aktionäre ausgeschüttet. Auf die Frage, wie viel Sinn diese Auszahlung in der derzeitigen Lage ergebe, antwortete ABB-CFO Timo Ihamuotila: «Wir haben diesen Schritt schon lange geplant und verfügen über einen stabilen finanziellen Rahmen. Wir machen das in einer verantwortungsbewussten Art und Weise.»