Unis Bern und Zürich bieten Europas ersten Lehrgang zu Gender-Medizin an

In der Medizin ist der Mann der Prototyp. Doch Krankheiten verlaufen je nach Geschlecht oft unterschiedlich. Die Universitäten Bern und Zürich wollen Personen aus dem Medizinbereich nun schulen.

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Bei Herzinfarkten unterscheiden sich die Symptome zwischen Männern und Frauen stark. (Symbolbild)

Bei Herzinfarkten unterscheiden sich die Symptome zwischen Männern und Frauen stark. (Symbolbild)

Keystone

(gb.) Ab Mai dieses Jahres starten in Bern und Zürich die ersten Module eines neuen Weiterbildungsprogramms. Es ist das erste seiner Art in Europa. Die Teilnehmenden sollen auf geschlechtsspezifische Krankheitsverläufe und Nebenwirkungen geschult werden. Dies teilten die Universitäten am Dienstag in einer Mitteilung mit.

Die Forschung in der Medizin geht grundsätzlich meist von einem Mann als Patienten aus. Doch Studien belegen, dass Männer und Frauen nicht immer die gleichen Symptome oder Beschwerden einer Krankheit zeigen. Auch Nebenwirkungen können variieren. Symptome oder Nebenwirkungen, die nur bei Frauen auftreten werden in der Folge oft als «atypisch» klassifiziert, während sie beim Mann als normal gelten.

Bei Herzinfarkten und Osteoporose gibt es grosse Unterschiede

Beim Herzinfarkt etwa würden Frauen andere Symptome zeigen, als in den meisten Forschungsberichten besprochen wird. «Dies führt dazu, dass Herzinfarkte bei Frauen oft nicht richtig eingeschätzt und erkannt werden und wertvolle Zeit vergeht, bis medizinischen Hilfe in Anspruch genommen wird», lässt sich Prof. Cathérine Gebhard, Kardiologin am Zürcher Universitätsspital, in der Mitteilung zitieren. Gebhard ist Vorsitzende in der Programmleitung des neuen Studiengangs.

Ein umgekehrter Fall ist die Osteoporose, die als typische Frauenkrankheit angesehen wird. Dort sind es die Männer, die entsprechend falsch oder ungenügend behandelt werden.

In der medizinischen Grundausbildung werden solche Unterschiede heute kaum thematisiert. Mit der Weiterbildung richten sich die Uni Bern und Uni Zürich an Medizinerinnen und Mediziner, sowie andere medizinischen Fachpersonen, welche ihre Kenntnisse über geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin vertiefen wollen, heisst es in der Mitteilung.