Schweizer Bratbirne zur Obstsorte des neuen Jahres gekürt

Die Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten hebt 2020 mit der Vertreterin der Wirtschaftsobstsorten eine fast ausgestorbene «Delikatesse, die es wieder zu entdecken gilt», auf den Werbe-Schild.

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Alt, aber kaum noch bekannt: Die Schweizer Bratbirne. Fructus ernennt diese zur Obstsorte des Jahres 2020.

Alt, aber kaum noch bekannt: Die Schweizer Bratbirne. Fructus ernennt diese zur Obstsorte des Jahres 2020.

Bild: HO

(sat) Bevor die moderne Ernährungslehre Salate und konserviertes Gemüse entdeckte, wurde zu fast jeder Mahlzeit Obst in gekochter Form gereicht. Laut Fructus, der Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten, sind Beeren, Kirschen, Zwetschgen, Äpfel und Birnen dazu auf vielfältige Weise haltbar gemacht und für Mahlzeiten weiterverarbeitet worden.

Dieses kulturelle Erbe will Fructus am Leben erhalten. Eine Möglichkeit dazu ist die seit 2008 organisierte Wahl der Obstsorte des Jahres. 2020 schwingt dabei laut Mitteilung vom Samstag die Kochbirne obenaus. Die Sortenbereinigung der letzten Jahrzehnte habe diese kleine Frucht «nur mit Glück überlebt». Zum Beispiel in der Fructus-Sortensammlung in Höri ZH. Die kleinen Früchte des Baumes hätten bis vor einigen Jahren «kaum Beachtung» gefunden, schreibt die Vereinigung. Einmal am Boden, trotzten sie «bis in den Frühling Schnee und Kälte, wechseln ihre Grundfarbe von grün zu gelblich» und würden nach und nach geniessbar.

Gemäss historischen Überlieferungen soll die Bratbirne laut Fructus am rechten Ufer des Zürichsees entstanden sein und war dort und im übrigen Kanton ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitet. Einige ältere Bäuerinnen und Landwirte erinnern sich laut der Vereinigung noch an die Birnensorte, die auch Chugelibire oder Klausbirne genannt wurde.

Im Aargau und am Zürichsee überlebt

Im Rahmen der Inventarisierung der Obst- und Beerensorten in der Schweiz von 2000 bis 2005 ist die Schweizer Bratbirne laut Fructus erfasst worden. Gleichzeitig wurde im Fricktal eine Birne unter dem Namen Imberwurzen inventarisiert. Molekulargenetische Analysen haben später gezeigt, dass es sich bei diesen Sorten um ein und dieselbe handelt. Laut Fructus sind auch in Magden (AG) sowie am linken Zürichseeufer noch einige wenige alte Exemplare der Bratbirne bekannt.

Mit der Wahl zur Obstsorte 2020 solle diese «Delikatesse, die es wieder zu entdecken gilt», nicht nur breiter bekannt werden. Sondern es bestehen laut Fructus auch Pläne, neue Bäume dieser Sorte anzupflanzen.