Mobilfunk
Glasfaser statt 5G: Initiative zum Schutz vor Elektrosmog lanciert

Mit der sogenannten Saferphone-Initiative soll der Schutz vor Elektrosmog durch Mobilfunkstrahlung in der Verfassung verankert werden. Die Initianten setzen auf einen Ausbau des Glasfasernetzes.

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Nicht-Ionisierende Strahlung mache rund 10 Prozent der Bevölkerung Probleme, argumentieren die Initianten.

Nicht-Ionisierende Strahlung mache rund 10 Prozent der Bevölkerung Probleme, argumentieren die Initianten.

Keystone

Am Dienstag soll die Unterschriftensammlung für die Saferphone-Initiative beginnen, am Montag wurde das Volksbegehren offiziell lanciert: Es will den «Schutz der Bevölkerung vor nichtionsierender Strahlung» in die Verfassung schreiben – und damit verhindern, dass der Bundesrat den Mobilfunkanbietern entgegenkommt und im Zuge des Ausbaus auf 5G die Grenzwerte senkt.

Zehn Prozent der Bevölkerung reagierten nämlich mit Symptomen auf Mobilfunk, sagte Marcel Hofmann vom Initiativkomitee laut vorab versandtem Redetext. Er verwies dabei auf eine Umfrage der ETH Zürich.

Beschränkungen für Neukonzessionen während Übergangsfrist

Die Initiative fordert, dass alle Anlagen und Geräte den «Grundsatz der technisch und betrieblich tiefstmöglichen Exposition» einhalten müssen. Gebäude sollen grundsätzlich per Kabel mit Telekommunikationsdiensten versorgt werden, die drahtlose Übertragung soll auf kurze Funkstrecken beschränkt werden.

Während einer Übergangsfrist dürften keine Konzessionen ausserhalb der aktuellen Frequenzen gewährt werden, und eine Erhöhung der Grenzwerte wäre nicht erlaubt, führte Nationalrätin Isabelle Pasquier-Eichenberger (Grüne/GE) gemäss Redetext aus.

Keine Anreize für Rücksichtnahme

Die Initiative ist eine Reaktion auf den massiven Ausbau des Mobilfunknetzes, der auch im Zusammenhang mit der Einführung der 5G-Technologie stattfindet. Derzeit seien 3200 Baugesuche für Mobilfunksendeanlagen hängig, der Widerstand in der Bevölkerung sei entsprechend gross, sagte Nationalrätin Martina Munz (SP/SH) laut Redetext.

Nationalrat Michael Töngi (Grüne/LU) kritisierte die Bestrebungen der Industrie, die Grenzwerte zu lockern. Dies biete keinerlei Anreize, auf die Gesundheit der Bevölkerung Rücksicht zu nehmen. «Heute verkaufen Telekommunikationsfirmen in der Schweiz Internetabos für zu Hause, die mitten im Siedlungsgebiet nicht über das Festnetz, sondern mit 5G funktionieren», so Töngis Text.

Ausbau des Glasfasernetzes

Dabei sei das Konzept des Mobilfunknetzes 30 Jahre alt, kritisiert der Beitrag von Sonia Weil vom Initiativkomitee. Dabei werde ein Grossteil des Datenvolumens aber in Gebäuden genutzt – «mehr oder weniger im stationären Modus, zwischen Sitz, Sofa und Bett.»

Dafür brauche es aber keine Antennen, die Daten mit hoher Energie über weite Strecken sendeten, so die Kritik. Die Initianten wollen stattdessen auf einen flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes setzen. (wap)