Forscher simulieren Baumsterben in China: Geringe Artverluste könnten auch Auswirkungen auf Schweizer Wälder haben

Ein Projekt in China mit Beteiligung der Universität Zürich zeigt, dass die Produktivität eines Waldes deutlich stärker abnimmt, wenn das Absterben von Arten bewusst gesteuert ist, als wenn gewisse Arten zufällig fehlen. Dieser Effekt zeigt sich auch wenn die verbleibende Biodiversität hoch ist. 

Hören
Drucken
Teilen
Produktivere Wälder sind besser gegen Extremereignisse wie Stürme geschützt. (Symbolbild)

Produktivere Wälder sind besser gegen Extremereignisse wie Stürme geschützt. (Symbolbild)

Keystone

(sku) Ein Team von Schweizer, deutschen und chinesischen Forscherinnen und Forschern hat dieses Ergebnis in einer kürzlich publizierten Studie analysiert, wie die Universität Zürich am Montag mitteilte. Mit dieser Studie stellt das Forscherteam die jahrzehntelange Annahme in Frage, dass das Aussterben bei einer hohen Artenvielfalt nur geringe Auswirkungen auf das Ökosystem habe, weil verbleibende Arten mit ähnlichen Eigenschaften die Funktion der verschwundenen Arten übernehmen könnten. Diese Annahme beruht jedoch auf Studien, die auf dem zufälligen Verlust von Arten basieren. Das gerichtete — also das nicht zufällige — Absterben führt zu einem anderen Ergebnis.

Für die Studie bepflanzte das Forscherteam vor rund zehn Jahren über 500 Parzellen von 670 Quadratmetern Fläche mit jeweils 400 Bäumen. Dabei erhielt jede Parzelle zwischen einer bis 16 Baumarten in jeweils unterschiedlichen Kombinationen zugewiesen. Einige der Parzellen verfügten über das Maximum an 16 Baumarten, bei anderen fehlten nach dem Zufallsprinzip einige Arten. Auf wieder anderen Parzellen wurde bewusst ein Aussterben simuliert: Es fehlten bestimmte Arten mit ähnlichen Eigenschaften – etwa alle Mitglieder einer kleinen Pflanzenfamilie.

Vielfalt allein schützt nicht vor Einbussen

Das Team ermittelte dann den Durchmesser sowie die Höhe der Bäume und berechnete daraus die Produktivität des Waldes. Bei denjenigen Parzellen mit einem gerichteten Verlust nahm die Produktivität deutlich stärker ab, als bei Parzellen mit zufällig fehlenden Arten – obwohl die betroffenen Parzellen insgesamt über eine hohe Vielfalt verfügten.

Besonders ausgeprägt war der Effekt bei fehlenden Arten, die im Stammbaum der Evolution einen eigenen Zweig bilden, weil die Beiträge der jeweiligen Art nicht durch die übrig bleibenden Arten ausgeglichen werden. «Bei zwei Eichenarten und nur einer Buche ist es für den Wald schlimmer, die Buche zu verlieren», sagt Bernhard Schmid, Professor am Institut für Geographie der Universität Zürich und Mitautor der Studie. Der Schutz der Biodiversität sei folglich auch in artenreichen Ökosystemen wichtig. «Auch bei uns in der Schweiz entfernen produktivere Wälder mehr Kohlendioxid aus der Luft oder fangen Extremereignisse besser ab.» Ob Schweizer Wälder selbst bei geringen Artverlusten anfälliger gegen Stürme wären, muss laut Schmid aber noch in einer weiterführenden Studie abgeleitet werden.