Bündner Behörden sagen wegen Corona-Virus Engadiner Skimarathon ab – Dem Tourismus entgehen 15 Millionen Franken

Die Bündner Behörden haben ein temporäres Verbot für öffentliche Veranstaltungen von überregionalem Interesse verfügt, dem auch der Engadiner Skimarathon vom 8. März zum Opfer fällt. Es ist ein harter Schlag für den Wintertourismus in der Region.

Simon Häring
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Der Engadiner Skimarathon kann dieses Jahr nicht stattfinden.

Der Engadiner Skimarathon kann dieses Jahr nicht stattfinden.

Keystone

Das Corona-Virus hat die Schweiz erreicht und legt nun nach und nach Teile des öffentlichen Lebens still. Zwei Eishockey-Spiele im Tessin finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, nun fällt mit dem Engadiner Skimarathon einer der bedeutendsten Breitensportanlässe des Landes der Angst vor der Atemwegserkrankung zum Opfer, an dem bisher über 82'000 Menschen erkrankt und über 2800 Menschen verstorben sind.

Am Donnerstag hatte das Bundesamt für Gesundheit BAG die zwei ersten Fälle von Corona-Virus im Kanton Graubünden bestätigt. Die Behörden reagierten mit einem Verbot bestimmter Anlässe von überregionalem Interesse für die Regionen Maloja, Bernina, Engiadina, Bassa/Val Müstair und Moresa. Das Dekret gilt bis am Sonntag, 8. März gilt, an dem auch der 52. Engadiner Skimarathon mit Start in Maloja hätte stattfinden sollen.

Engadiner fällt erst zum zweiten Mal aus

Der Engadiner Skimarathon ist ein Anlass der Superlative. Insgesamt wären weit über 17'000 Teilnehmer aus aller Herren Länder bei den verschiedenen Veranstaltungen am Start gestanden. Darunter aus so entfernten Ländern wie Kasachstan, der Mongolei, aus Peru, Simbabwe, Grönland, Brasilien oder Tansania. Vor allem aber aus Deutschland, den USA und Russland Der Engadiner Skimarathon ist damit die weitaus grösste Langlaufveranstaltung der Schweiz, die zweitgrösste der Welt.

Der Skimarathon erlebte 1969 seine Premiere und fiel erst einmal aus. 1991 verunmöglichte ein Wärmeeinbruch den Start.

Der Anlass ist für den Tourismus in der Region von grosser Bedeutung. Er hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer Art Lebensader entwickelt. 2017 löste er eine Brutto-Wertschöpfung von über 15 Millionen Franken aus, davon 6 Millionen im Engadin, wie eine Studie der Hochschule für Wirtschaft Luzern und der Beratungsfirma Rütter Socecco zeigt. Über 34'000 Logiernächte würden vom Engadiner ausgelöst.

Der Engadiner Skimarathon lockt Starter aus über 60 Ländern an.

Der Engadiner Skimarathon lockt Starter aus über 60 Ländern an.

Bild: Keystone

Wer einmal den Lauf durch die Postkartenidylle, über den Silsersee, den Silvaplanersee, den Lej da Champfèr und den St. Moritzersee – umrahmt von Arven- und Lärchenwäldern, über denen steile Bergflanken und schroffe Schneegipfel thronen, vorbei an den Pässen Bernina, Maloja, Julier und Albula – absolviert hat, kommt meist wieder. Mehr als die Hälfte aller Teilnehmer stand schon mehr als fünf Mal am Start. Es ist Geschichte, die Verbundenheit stiftet. Pures Gold für den Tourismus.

Auch deshalb trifft die Absage den Kanton Graubünden hart.